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Nachricht vom 08.08.2023 Sonstiges

Vor 95 Jahren Geläut der Stadtpfarrkirche geweiht

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  F√ľr die Stadtpfarrei Mari√§ Himmelfahrt war der Feiertag Mari√§ Himmelfahrt vor 95 Jahren ein gro√üer Festtag. Am 15. August 1928, dem Patroziniumstag der Pfarrkirche, ert√∂nte vom Kirchturm erstmals das am 12. August geweihte neue Gel√§ut.

Notwendig war die Neuanschaffung des Gel√§utes, da die Pfarrei am 13. Dezember 1917 drei der f√ľnf bis dahin vorhandenen Glocken an die Kriegsmetallstelle abliefern musste. Stadtpfarrer Johann von Gott Hiederer hatte dagegen, wie in Heribert Batzls ‚ÄěGeschichte der Stadt Hirschau‚Äú nachzulesen ist, nachdr√ľcklich Widerstand geleistet. Er konnte die Ablieferung jedoch nicht verhindern. Nur zwei Glocken blieben auf dem Turm, die zwei Zentner schwere Sterbeglocke aus dem 15. Jahrhundert und eine 1911 gegossene Glocke. Letztere wurde aber 1928 eingeschmolzen, da sie tonlich nicht rein war.

Dass es von 1917 bis 1928 dauerte, bis der Stadtpfarrer Hiederer an die Wiederbeschaffung eines Gel√§utes denken konnte, hatte finanzielle Gr√ľnde. Die Kriegsmetallstelle hatte 500 Mark f√ľr die drei abgenommenen Glocken bezahlt, die zu Kriegsger√§t umgearbeitet wurden. Die Summe fiel aber in rasendem Tempo der Inflation zum Opfer. W√§hrend der Zeit der Hyperinflation des Jahres 1923 hatte sich z.B. die Abwertung der Mark gegen√ľber dem US-Dollar immer schneller vervielfacht, bis schlie√ülich im November der Kurs f√ľr einen US-Dollar 4,2 Billionen Mark entsprach. Der Stadtrat trug dann 1928 zur Neuanschaffung mit einem Zuschuss in H√∂he von 7 000 Mark bei.

Gefeiert hatten die Hirschauer Katholiken bereits drei Tage vorher am Sonntag, den 12. August. Stadtpfarrer Hiederer weihte um 8 Uhr unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Kirchplatz die sechs neuen Kirchenglocken. Gegossen worden waren diese in der Glockengießerei Hahn in Landshut. Am Feiertag Mariä Himmelfahrt lud das neue Geläut die Gläubigen dann erstmals zum Gottesdienst.

Die Hirschauer konnten sich nur 14 Jahre lang an dem Gel√§ut erfreuen. Im Jahr 1942 ereilte die Glocken das gleiche Schicksal wie ihre Vorg√§nger. Mit Ausnahme der Sterbeglocke wurden alle beschlagnahmt und zu Kriegsmaterial umgearbeitet. Stadtpfarrer Hiederer hatte sich nach 26-j√§hrigem h√∂chst verdienstvollem Wirken 1933 aus Hirschau verabschiedet. Sein Nachfolger, Geistlicher Rat Friedrich Zeitler, musste diesen bitteren Moment erleben. F√ľr ihn galt es, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zuerst einmal die Sch√§den zu beseitigen, die der amerikanische Bombenangriff am 20. April 1945 an der Pfarrkirche angerichtet hatte. Erst dann konnte die Neuanschaffung des Gel√§utes gedacht werden. Vorerst konnten nur die drei kleinen Glocken angeschafft werden. Sie wurden in der Gie√üerei Hamm in Regensburg gegossen. Im August 1949 hoffte man, dass die fehlenden drei gro√üen Glocken bis Ende Oktober eintreffen und erstmals an Allerheiligen ert√∂nen werden. Man musste sich knapp zwei Monate l√§nger gedulden. Die drei gro√üen Glocken trafen am Samstag, 17. Dezember 1949, in Hirschau ein. Am vierten Adventsonntag, dem 18. Dezember, nahm Geistlicher Rat Friedrich Zeitler um 9.15 Uhr vor der Pfarrkirche unter √ľberaus gro√üer Anteilnahme der Bev√∂lkerung die Weihe der Glocken vor. Tags darauf, am Montag, dem 19. Dezember, erfolgte das Aufziehen der Glocken. Am Heiligen Abend 1949 erklang das 99 Zentner schwere in c-Moll gestimmte neue Gel√§ut, das bis heute zu den Gottesdiensten ruft, zum ersten Mal.

Am 13. Dezember 1917 hatte Geistlicher Rat Hiederer gegen seinen Widerstand die Glocken der Pfarrkirche der Kriegsmetallstelle √ľbergeben m√ľssen. Es dauerte bis zum Jahr 1928, bis er ein neues Gel√§ute beschaffen konnte ‚Äď sechs in der Glockengie√üerei Johann Hahn in Landshut gegossene Glocken.  - Foto von Werner SchulzFoto: Werner Schulz
Am 13. Dezember 1917 hatte Geistlicher Rat Hiederer gegen seinen Widerstand die Glocken der Pfarrkirche der Kriegsmetallstelle √ľbergeben m√ľssen. Es dauerte bis zum Jahr 1928, bis er ein neues Gel√§ute beschaffen konnte ‚Äď sechs in der Glockengie√üerei Johann Hahn in Landshut gegossene Glocken.

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Foto: Werner Schulz
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