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Nachricht vom 03.07.2021 Vereine

Königlich Bayerisches Amtsgericht tagt auf der Festspielbühne

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Von 1969 bis 1972 strahlte das ZDF erstmals die 53 Folgen des „Königlich Bayerischen Amtsgerichts“ aus. Bis heute flimmerten x Wiederholungen ĂĽber die Bildschirme – in den Jahren 1986/87 auch ĂĽber den der Familie Gnan in Ehenfeld.

Die Einakter von Georg Lohmeier mit den originellen Gerichtsszenen aus der „guten, alten Zeit, als im Königreich Bayern noch Seine Königliche Hoheit der Herr Prinzregent regiert hat“, gehörten zu den Lieblingssendungen der Gnans, insbesondere des damals 10-jährigen Christian. Er bangte jeden Donnerstag und Samstag: „Hoffentlich sind wir um 18.20 Uhr mit dem Füttern fertig?!“ Er wollte keine Folge verpassen! Ihn beeindruckten und faszinierten Schauspieler wie Gustl Bayrhammer, Erni Singerl und der Hauptdarsteller Hans Baur, der den strengen Amtsgerichtsrat August Stierhammer verkörperte. Nicht im Traum dachte er damals daran, dass er 35 Jahre später selbst in die Rolle des Gerichtsvorsitzenden schlüpfen würde. Genau das tut Christian Gnan ab dem 16. Juli auf der Freilichtbühne des Mälzerei-Theaters im Schlosshof bei insgesamt acht Abendvorstellungen, zu denen der Festspielverein jeweils um 20 Uhr einlädt. Mit ihm hat Regisseur Dieter Held für die Hauptrolle einen versierten und erprobten Schauspieler ausgewählt, der nicht nur bei den Stückl-Festspielen in tragenden Rollen überzeugt hat, sondern auch beim Theaterverein Ehenfeld und beim OVIGO-Theater Oberviechtach reichlich Bühnenerfahrung gesammelt hat. Bei allen Verhandlungen mit von der Partie sind der Staatsanwalt (Erwin Zach), der Gerichtsschreiber Hechtl bzw. Haberkorn (Edgar Kraus) und der Wachtmeister Blasius (Ludwig Schmid).

In drei verzwickten Fällen muss der Herr Amtsgerichtsrat zu Gericht sitzen und ein weises Urteil fällen. Schon im ersten Prozess geht es um einen äußerst delikaten Fall – im Mittelpunkt zwei zänkische Weibsbilder. Im Stück „Der Pfarrgockel“ kommt der Hahn der Stadlbäuerein Maria Asenbeck (Kerstin Ackermann) regelmäßig in den benachbarten Pfarrhof, um dort die hahnlosen Hühner zu beglücken. Doch dies missfällt der gestrengen Pfarrerköchin Marianne Attenberger (Corinna Falk). Und sie greift zu brachialer Gewalt …! Beim zweiten Stück hat es der Amtsgerichtsrat mit dem Bettler Max Haberer (Roland Fritsch) zu tun, der sich in den Gaststätten sein Essen auf äußerst unappetitliche Weise von den feinen Gästen erbettelt. Diese beiden Einakter werden zusammenhängend gespielt. Im dritten Prozess steht der Schreiner und Musiker Bartholomäus Kaser (Maximilian Stein) vor dem Kadi. Dorthin gebracht haben ihn Wallburga Hirner (E. Künzl) und Marianne Attenberger (C. Falk) von der Jungfrauenkongregation. Sie beschuldigen ihn, eine geweihte Trompete bei profanen Tanzveranstaltungen in den umliegenden Ortschaften missbräuchlich eingesetzt zu haben.

Für alle drei Prozesse gilt am Ende das Fazit: „Das Leben geht weiter, ob Freispruch oder Zuchthaus. Und auf die Guillotine hat unser Rat eh niemanden geschickt.“

Seit Anfang Juni hat Dieter Held seine Darstellertruppe bei den Proben unter seinen Fittichen. Selbstverständlich unterzogen sich die Bühnenakteure ausnahmslos Schnelltests. Sie wurden von der Wasserwacht auf dem Festspielgelände durchgeführt. Bei den kostümierten Proben hielt man sich an das eigens für Amateurtheater herausgegebene Hygienekonzept. Es sieht Ausnahmen für die Einhaltung der Abstandsregeln vor, soweit diese zu einer Beeinträchtigung der künstlerischen Umsetzung führen würde.

Die Bühne und die Kulissen stehen bereits dank Erhard Ackermann, Ludwig Koller und Roland Fritsch. Tatkräftig unterstützt wurden und werden sie von den alten Haudegen Josef Galler und Lothar Fischer. Weitere bauliche Maßnahmen werden unter der Leitung von Hans Drexler mit Ehenfelder Unterstützung noch vor Aufführungsbeginn fertiggestellt. Beleuchtung und Akustik werden in bewährter Manier von Alfred Härtl auf Herz und Nieren geprüft. Die Bekleidungsausstattung ist fast abgeschlossen und bei Evi Fritsch sowie Ingrid Dobat in besten Händen.

Insgesamt achtmal wird das „Königlich bayerische Amtsgericht“ auf der Festspielbühne im Schlosshof tagen. Die Premiere ist für Freitag, den 16. Juli, um 20 Uhr auf der Freilichtbühne des Mälzerei-Theaters vorgesehen. Weitere Spieltermine sind Samstag, 17. Juli, Mittwoch, 21. Juli, Freitag, 23. Juli, Samstag, 24. Juli, Mittwoch, 28. Juli, Freitag, 30. Juli und Samstag, 31. Juli, jeweils um 20 Uhr. Eintrittskarten zum einheitlichen Preis von 15 Euro gibt es ausschließlich an der Abendkasse. Auf die Einhaltung der am Spieltag geltenden Corona-Sicherheitsbestimmungen (Hygiene, Abstand, Maske usw.) ist zu achten.

Als Kind war Christian Gnan (l.) ein Fan der ZDF-Serie Foto: Werner Schulz
Als Kind war Christian Gnan (l.) ein Fan der ZDF-Serie "Das Königlich Bayerische Amtsgericht". Heuer schlüpft er in die Rolle des Amtsgerichtsrats August Stierhammer u.a. bei der Episode "Der Pfarrgockel". Um beim „Pfarrgockel-Prozess“ ein weises Urteil zu fällen, lässt er sich vom Staatsanwalt (Erwin Zach) das aktuelle Tierschutzgesetz erklären.

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Bilder / Fotos

Foto: Werner Schulz
Foto: Werner Schulz
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