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Nachricht vom 02.05.2021 Kultur & Feste

Corona zum Trotz: 750 Jahre Hirschau gebĂŒhrend gefeiert

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Vor 750 Jahren, am 23. April 1271, wurde Hirschau erstmals urkundlich erwĂ€hnt, am 23. April 1516 das Bayerische Reinheitsgebot erlassen. Die Stadt und die Schlossbrauerei begingen den geschichtstrĂ€chtigen Tag gemeinsam mit einer digitalen JubilĂ€umsfeier.

Den Impuls dazu hatte vor drei Jahren Brauerei-Junior-Chef Sebastian Dorfner nach seiner LektĂŒre der Stadtgeschichte gegeben, erzĂ€hlte sein Vater Franz Dorfner in seiner BegrĂŒĂŸung. Im Alltag sei das historische Datum in den Hintergrund getreten. Als es ihm im Herbst 2020 wieder eingefallen sei, habe er BĂŒrgermeister Hermann Falk kontaktiert. Man sei sich einig gewesen, das Ereignis gebĂŒhrend zu feiern. Unisono bedauerten Brauerei- wie Rathaus-Chef, dass man das JubilĂ€um wegen der Corona-Pandemie nicht mit einem großen Stadtfest feiern kann. ZufĂ€llig begehe man am gleichen Tag das 505-JĂ€hrige des Bayerischen Reinheitsgebots. Auf beide AnlĂ€sse wurde mit einem JubilĂ€umsbier angestoßen, das eigens fĂŒr diesen Anlass gebraut wurde.

Den FestgĂ€sten – ca. 300 waren stĂ€ndig online mit dabei – wurde drei Stunden lang ein gleichermaßen informatives wie unterhaltsames Programm geboten. Eröffnet wurde es mit Fotos aus und einem Imagefilm ĂŒber Hirschau. Den musikalischen Part ĂŒbernahm die Gruppe „Jedsmal Anerschd“, die erstmals nach einem Jahr wieder auftrat. Sie erfĂŒllte die Vorgaben des Gesundheitsamtes, spielte im Freien auf und trat mit Matthias und Andrea Fenk, Roland Ertel sowie Josef und Jakob Hofmann in nur fĂŒnfköpfiger Besetzung an, deren Mitglieder aus nur drei Haushalten stammten. Das Quintett lockerte den Abend gelungen mit heimatlichen KlĂ€ngen wie Zwiefachen, Polkas, Walzern und MĂ€rschen auf.

Rektor a. D. Hans Meindl oblag es, dem Publikum bedeutsame Ausschnitte der Hirschauer Geschichte nĂ€her zu bringen - allen voran die erste urkundliche ErwĂ€hnung vom 23. April 1271. Graf Rapato von Murach verkaufte damals seinen Besitz, zu dem auch „Hirzzowe gehörte, an Herzog Ludwig II. den Strengen. 1307 werde Hirschau als „Oppidum“ bezeichnet, 1329 im Hausvertrag von Pavia als Markt. 1352 spreche Pfalzgraf Ruprecht I. die Hirschauer als „BĂŒrger“ an, ebenso Kaiser Karl IV. am 2. Oktober 1354, als er ihnen ihre bisherigen Rechte bestĂ€tigte. In der Inkorporationsurkunde Karls des IV. vom 5. April 1355 werde Hirschau erstmals offiziell als Stadt bezeichnet. Nach seiner EinschĂ€tzung, so Meindl, sei Hirschau zwischen 1353 und 1358 zur Stadt erhoben worden. In diesem Zeitraum hĂ€tten auch andere an der Goldenen Straße gelegene Orte wie Lauf (1355) und Hersbruck (1354/55) Stadtrecht erhalten.

Einen eigenen Kurzvortrag widmete Meindl der Bedeutung von Karl IV. fĂŒr Hirschau. Seine wichtigste Entscheidung fĂŒr die Entwicklung der Stadt habe er 1367 getroffen. Er habe den Hirschauern das Abhalten eines Wochenmarktes gestattet, Neuzuziehenden auf 10 Jahre eine Freiung erteilt und verfĂŒgt, dass die bisher „an der Stadt vorbeiziehende Straße durch diese selbst fĂŒhren soll.“ Alle die den Weg außerhalb nehmen wĂŒrden, sollten der PfĂ€ndung und Bestrafung durch den königlichen Amtmann unterliegen. Die Zolleinnahmen seien fĂŒr die Stadt von großer Bedeutung und die Basis fĂŒr ihren Aufschwung gewesen. Auf seinen Reisen von NĂŒrnberg nach Prag sei Karl IV. nach SchĂ€tzung 52mal durch Hirschau gekommen. Den Hirschauern falle beim Blick in die Geschichte primĂ€r nicht Karl IV., sondern sein Ă€ltester Sohn Wenzel ein. Dessen Leidenschaft sei nicht das Regieren, sondern die Jagd gewesen. Deshalb sei er oft im Schloss in Hirschau zu Gast gewesen.



AusfĂŒhrlich befasste sich Meindl auch mit dem Thema „Straßen – Weiher – MĂŒhlen“ in Hirschau. Die Goldene Straße habe Reichtum und großes Elend zugleich gebracht. Sie sei die Hauptschlagader der Kaufleute gewesen. Am sog. Apothekereck sei die sog. verbotene Straße abgezweigt, die ĂŒber Schnaittenbach und Waidhaus (B 14) nach Prag fĂŒhrt. Sie sei durch Leuchtenberger Gebiet, also Feindesland von Karl IV., gegangen und ihre Nutzung verboten gewesen. Im Jahr 1376 habe Karl IV. diese Straße, verkleidet als Hirte, selbst benutzt, da er seinen Gegenspielern zur Wahl des Königs nicht traute. Eine wichtige Rolle in Hirschaus Geschichte hĂ€tten auch die BĂ€che und MĂŒhlen gespielt. Im Stadtgebiet gebe es mit dem Stelzen-, dem Schweins-, dem SchießhĂŒtten-, dem Eschen- und MĂŒhlbach fĂŒnf BĂ€che, der Oberen-, Unteren-, Schindel-, Wald-, Hölzl- und Kramerl- bzw. WalkmĂŒhle. Noch heute lehne ein MĂŒhlstein am Stadel der Familie Fink (Obere MĂŒhle).

Wechselvoll, so Meindl, habe sich die kirchliche Geschichte gestaltet. UrsprĂŒnglich katholisch und zugehörig zum Kloster Heilsbronn wurde Hirschau evangelisch, um 1560 calvinistisch, dann wieder evangelisch. Auf der Goldenen Straße seien hochangesehene Reformer wie Jan Hus oder Hieronymus von Prag durch Hirschau gereist. Letzterer sei am 21. April 1415 in Hirschau eingetroffen und habe beim Pfarrer Kritik am Konzil geĂ€ußert. Ein Zuhörer habe Anzeige erstattet, Richter Teynstauffer ihn gefangen nehmen lassen. Am 30. Mai 1416 habe er wie sein Freund Hus den Tod am Scheiterhaufen erlitten.

FĂŒr ein QuĂ€ntchen Nostalgie sorgte Meindl mit den Gedichten „Woißt das nu
?“, „Kennst du mei Hoimatschdod, kennst mei Hirschau?“ und „S’Hirschauer A-B-C“ auf aus der Feder des Hirschauer Mundartdichters Bepp Dietz.

Mit der jĂŒngeren Geschichte Hirschaus befasste sich BĂŒrgermeister Hermann Falk. Beim BlĂ€ttern im Goldenen Buch stieß er auf prominente Besucher wie Theo Waigel und Irene Epple, Rita SĂŒĂŸmuth, Thomas Goppel und Ulrike Scharf. Festgehalten war auch der Besuch der Familie Hierold, deren Töchterchen Carola die einhunderttausendste Einwohnerin des Landkreises war. Zu diesem Anlass war auch RegierungsprĂ€sident Karl Krampol ins Rathaus gekommen.

Zwischen den geschichtlichen VortrĂ€gen wurden im Vorfeld aufgenommene O-Töne von Gabi Huber, Sebastian Weich, Uli und Margot Heldmann, Katharina Stein, Marianne Mendl und AltbĂŒrgermeister Hans Drexler eingespielt. Sie zeichneten ein positives Bild von Hirschau und machten sich Gedanken ĂŒber die Zukunft der Stadt. So stand z.B. eine Belebung der Innenstadt durch weitere GeschĂ€fte auf dem Wunschzettel. Drexler erinnerte daran, dass Hirschau in der Vergangenheit erheblich von „Zuwanderern“ profitiert habe. Als Beispiele nannte er im 17. Jahrhundert die Familie Dorfner, zu Beginn des 20. Jahrhunderts den AKW-GrĂŒnder Georg Schiffer und schließlich Klaus Conrad. Wie Gabi Huber rechnete er damit, dass es in nicht ganz ferner Zukunft den Monte Kaolino nicht mehr geben und anstelle der jetzigen Kaolingruben eine große Seenlandschaft entstehen wird.

Mit dem Vierzeiler von Bepp Dietz „Direkt im Herz da Owapfalz, mit Wappenhirsch und Raout-Weiss-Blau, drum bitt i: Herrgott geijh erhalts nu lang- mei Hoimatschtod Hirschau“ sprach Hans Meindl zum Abschluss den Mitwirkenden wie dem Publikum aus dem Herzen.

Hirschau wurde am 23. April 1271 erstmals urkundlich erwĂ€hnt, am 23. April 1516 das Bayerische Reinheitsgebot erlassen. FĂŒr Brauerei-Junior-Chef Sebastian Dorfner (r.) und seinen Vater Franz (l.) guter Grund zum Feiern. Den historischen Part zu „750 Jahre Hirschau“ ĂŒbernahm Rektor a.D. Hans Meindl (Mitte). - Foto von Werner SchulzFoto: Werner Schulz
Hirschau wurde am 23. April 1271 erstmals urkundlich erwĂ€hnt, am 23. April 1516 das Bayerische Reinheitsgebot erlassen. FĂŒr Brauerei-Junior-Chef Sebastian Dorfner (r.) und seinen Vater Franz (l.) guter Grund zum Feiern. Den historischen Part zu „750 Jahre Hirschau“ ĂŒbernahm Rektor a.D. Hans Meindl (Mitte).

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Foto: Werner Schulz
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