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Nachricht vom 02.08.2020 Sonstiges

Pfarrer Hans Hammer verstorben

Hirschau/Freudenberg (Bericht von Werner Schulz)  Er war Priester mit Leib und Seele und galt als „steter Streiter fĂŒr Toleranz“, dem die VerstĂ€ndigung zwischen Christentum und Islam zutiefst am Herzen lag – Pfarrer Hans Hammer. Am 30. Juli verstarb er im Seniorenheim des Wallmenich-Hauses.

Pfarrer Hammer wurde am 21. Februar 1931 in Amberg geboren. Er wuchs in Hirschau als Ältester einer siebenköpfigen Familie auf, besuchte die Oberrealschule (heute GMG) in Amberg und machte dort 1951 sein Abitur. Bis 1956 studierte er in Regensburg Theologie und Philosophie. Nach der Priesterweihe am 29. Juni 1957 war er bis 1959 als Kaplan in Grafenwöhr tĂ€tig. Im September 1959 ernannte ihn Kardinal König in Wien zum Kaplan der Pfarrei Döbling St. Paul. Er sollte sich auf die Ausbildung als Europa-Seelsorger vorbereiten. Die Idee zerschlug sich wegen der Kurzsichtigkeit einiger Bischöfe in europĂ€ischen GroßstĂ€dten.

Von 1963 bis 1974 unterrichtete er an der KaufmÀnnischen Berufsschule in Regensburg. WÀhrend dieser Zeit unternahm er Studienreisen in die Ukraine, nach Russland, Sibirien, Kasachstan und Usbekistan sowie in die USA. Als Touristenseelsorger sammelte er Erfahrungen in Spanien und Italien.

1974 wurde er als Auslandsseelsorger nach Teheran berufen, zustĂ€ndig fĂŒr die deutschsprachigen Katholiken im Iran. Bis 1980 war er verantwortlich fĂŒr den Unterricht an der Deutschen Begegnungsschule und den 14 Großbaustellen im Iran sowie fĂŒr die Seelsorge an den Gefangenen und Kranken im Bereich der Megapolis Teheran. 1978/79 erlebte er die Iranische Revolution, den Sturz des Schahs und die Errichtung der Islamischen Republik.

Auf Grund seiner außerordentlichen Verdienste und seines seelsorglichen Einsatzes wĂ€hrend der Revolution verlieh ihm BundesprĂ€sident von WeizsĂ€cker 1988 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse. Nach dem Zerfall der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Westen schrumpfte die Seelsorge auf eine kleine Schar von GeschĂ€ftsleuten. So kehrte Hammer 1980 nach Regensburg zurĂŒck. Ab 1983 widmete er sich erneut der Auslandsseelsorge. Von Istanbul aus betreute er nicht nur die TĂŒrkei, sondern den Iran, Irak, Kuweit, die Golfstaaten und das Sultanat Oman. Bis 1994 war er mit dem Aufbau einer deutschsprachigen Seelsorge in Istanbul, Ankara, Teheran, Bagdad, Mossul, Basra, Kuwait, Dubai, Abu Dhabi und Muscat beauftragt. Pfarrer Hammer besuchte die Gemeinden sowie die Baustellen im Irak mit großen Baucamps am Tigris und im Gebiet von der syrischen Grenze bis nach Basra zwischen Eufrat und Tigris und im Kurdengebiet.

Er pflegte gute Kontakte zu den Vertretern des Heiligen Stuhls und stand in stĂ€ndigem Kontakt mit den Bischöfen in Istanbul, Izmir und Mersin. Tiefe Einblicke in seine Erfahrungen gewĂ€hrte er in dem von ihm mit der Ethnologin Dr. Gronover herausgegebenen Buch „Seelsorge zwischen WĂŒste und Metropole - Biographisches aus Iran und TĂŒrkei”.

Sein Einsatz fĂŒr diese Region riss nach seiner RĂŒckkehr in seine Heimat nicht ab, wo er von 1994 bis 2004 - ĂŒber die Pensionsgrenze von 70 Jahren hinaus - als Seelsorger in Schambach wirkte. Bis 1999 ĂŒbernahm er die nebenamtliche Aufgabe als Seelsorger fĂŒr die Gemeinden am Golf. Sein priesterliches Wirken wĂ€re unvollstĂ€ndig, wĂŒrde man nicht seine BemĂŒhungen um die VerstĂ€ndigung zwischen Deutschen und Tschechen erwĂ€hnen, die ihm besonders von 1967 bis 1974 ein Anliegen waren.

2004 ging er in den Ruhestand nach Freudenberg und half in der Pfarrei Wutschdorf und der Filiale Etsdorf. Am 2. Juli 2017 feierte er sein 60-jĂ€hriges PriesterjubilĂ€um, zu dem er Freunde aus allen Stationen seines priesterlichen Wirkens eingeladen hatte. Vorher hatte schon hatte ein Nachlassen seiner körperlichen und geistigen KrĂ€fte begonnen. Sein Leben war durch eine Levi-Körperchen-Demenz erheblich beeintrĂ€chtigt. Der Oberschenkelhalsbruch, den er sich am 9. Dezember 2018 bei einem hĂ€uslichen Unfall zuzog, beschleunigte den Abbauprozess. Als sich wegen der Corona-Pandemie keine polnischen PflegekrĂ€fte um ihn kĂŒmmern konnten, zog er in das Seniorenzentrum des Wallmenichhauses in Amberg um, wo er am 30. Juli friedlich in seinem Zimmer entschlief.

Als sein Leitmotiv nannte er stets einen Satz aus der Predigt, den sein Hirschauer priesterlicher Mitbruder Georg Bösl bei Hammers Primiz geprĂ€gt hatte: „Am Ende deines Lebens wirst du nach der Liebe beurteilt werden.“ Bescheiden formulierte er noch im hohen Alter: „Ich hoffe, dass ich diesen Leitspruch, soweit ich es verstand, leben konnte.“

Der Trauergottesdienst, den PrĂ€lat Helmut Huber zelebrieren wird, findet am Mittwoch, 5. August, um 14.30 Uhr in der Hirschauer Stadtpfarrkirche MariĂ€ Himmelfahrt statt. Da die Besucherzahl begrenzt ist, wird der Gottesdienst auch nach außen ĂŒbertragen.

Mit Pfarrer Hans Hammer verstarb am 30. Juli ein Priester mit Leib und Seele, der als „steter Streiter fĂŒr Toleranz“ galt, dem die VerstĂ€ndigung zwischen Christentum und Islam zutiefst am Herzen lag. - Foto von Werner SchulzFoto: Werner Schulz
Mit Pfarrer Hans Hammer verstarb am 30. Juli ein Priester mit Leib und Seele, der als „steter Streiter fĂŒr Toleranz“ galt, dem die VerstĂ€ndigung zwischen Christentum und Islam zutiefst am Herzen lag.

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Foto: Werner Schulz