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Nachricht vom 03.07.2019 Sonstiges

Der gro├če Hagelschlag von 1929 und andere Naturkatastrophen

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Dass Hirschau von schweren Unwettern betroffen wurde, gibt es nicht erst, seit das Schlagwort Klimawandel in aller Munde ist. Heute vor 90 Jahren, am 4. Juli 1929, verursachte ein verheerendes Unwetter schwerste Sch├Ąden.

Die Amberger Volkszeitung berichtete damals ├╝ber den ÔÇ×gro├čen HagelschlagÔÇť: ÔÇ×Kein Haus, kein Stadel, kein Garten blieb vom Unwetter verschont. Die D├Ącher sind durchl├Âchert und die Fenster an der Westseite fast alle zerschlagen. Es besteht gar keine Aussicht mehr, dass ein Saatgetreide heuer noch eingebracht werden kann, nicht einmal das Stroh f├╝r den Hausgebrauch. Die hiesigen Landwirte sind derart besch├Ądigt, da├č sie in ihrer Not aufschreien m├Âchten.ÔÇť Bei der Schlossbrauerei Dorfner gab es 65 eingeschlagene Fensterscheiben und zur Wiederbedachung der Geb├Ąude war ein Waggon Ziegeltaschen notwendig. Bei der starken Nachfrage nach Dachziegeln entstanden Lieferschwierigkeiten. Der heutige Brauereibesitzer Franz Dorfner erinnert sich, dass seine Oma davon erz├Ąhlte.

Ein Augenzeuge schilderte damals seine Eindr├╝cke: ÔÇ×Gegen drei Uhr nachmittags konnte man nach einer unertr├Ąglich l├Ąhmenden Hitze am Horizont von S├╝dwesten und Westen her eine eigent├╝mliche Wolkenbildung mit r├Âtlichen R├Ąndern sehen. Kurz darauf kam ein starker Windsto├č und das Gewitter entlud sich mit Hagel. Die Hagelk├Ârner hatten die Gr├Â├če von H├╝hnereiern. Ehemalige Soldaten aus dem 1. Weltkrieg bemerkten, dass sie das Gef├╝hl hatten, im schlimmsten Schrapnellfeuer (Artilleriegranatenfeuer) zu sein.ÔÇť

Wahrscheinlich hatte so mancher Hirschauer an besagtem 4. Juli 1929 noch allzu gut das Unwetter und seine verheerenden Folgen im Hinterkopf, das knapp zwei Jahre vorher ├╝ber der Stadt niedergegangen war ÔÇô in der Nacht vom 2./3. August 1927. Dar├╝ber berichtet die Hirschauer Zeitung in ihrer Ausgabe vom 4. August 1927: ÔÇ×Von einem schweren Unwetter wurde Hirschau in der Nacht vom 2./3. August heimgesucht. Nahezu 3 Stunden blitzte und donnerte es ununterbrochen. Ungeheure Wassermassen st├╝rzten hernieder.

In Richtung Krickelsdorf ging ein Wolkenbruch nieder. In k├╝rzester Zeit verwandelte sich der sonst unbedeutende Walkbach in einen rei├čenden Flu├č, der die ganze Nordseite der Stadt ├╝berschwemmte und teilweise sogar in die H├Ąuser eindrang. Die Familie Gustav Fink auf der Walk mu├čte auf das Hausdach fl├╝chten. Von dort aus wurde sie gerettet. Die freiwillige Feuerwehr und Nachbarn beteiligten sich an dem Rettungswerke. Die Familie Fink wurde auf die drohende Gefahr erst durch das seltsame Gebaren ihres Hundes aufmerksam.

Angeschwemmtes Holz (St├Âcke und Scheiter), eingedr├╝ckte Gartenz├Ąune usw. bezeichnen den Weg, den das Wasser genommen hat. Fast alle Weiher sind abgerissen, die ├╝brigen Weiher wurden ├╝berschwemmt und sind so ziemlich alle Fische durch. Der an Grundst├╝cken, am Getreide und an den Weihern entstandene Schaden ist betr├Ąchtlich. Gl├╝cklicherweise z├╝ndete keiner von den vielen Blitzschl├Ągen, die in dieser Nacht niedergingen.ÔÇť

Freilich waren die Gewitternacht vom 2./3. August 1927 und der gro├če Hagelschlag nicht die einzigen Naturkatastrophen, die Hirschau vor langer Zeit gro├če Sch├Ąden anrichteten.



Ein markantes Datum ist der 28. Juni 1830. In der Chronik steht zu lesen: ÔÇ×Der Stadtweiher (Weiher um die Stadt) bestand bis zum Jahre 1830. Am 28. Juni ging ein Wolkenbruch nieder und ri├č den Weiher ab. Eine Menge Fische ging zu Grunde. Dem Herrn Pfarrer nahm das Hochwasser die Fischgrube mit und lie├č sie auf der Stra├če vor dem mittleren Thore stehen. Bei Lederer Simon, nun Tr├Âsterhaus, stieg das Wasser so hoch, da├č ein Fisch in der Tischlade sich befand. Die ganze Stadt stand unter Wasser. Als der Damm bei der unteren M├╝hle durchbrach, fiel das Wasser.ÔÇť

Noch weit schlimmer betroffen von diesem Unwetter war offenkundig Schnaittenbach. So schreibt Pfarrer Wittmann in seiner Chronik: ÔÇ×Eine furchtbare ├ťberschwemmung und Verw├╝stung ereignete sich am 28. Juni 1830. Zwar richtete die ├ťberschwemmung an allen benachbarten Orten mehr oder weniger Schaden an, doch nirgends einen gr├Â├čeren als in Schnaittenbach. Abends 9 Uhr fiel unter Blitz und Donner und unter einem heftigen Windsturm h├Ąufiger Regen. In kurzer Zeit hatte man Wasser in den St├Ąllen, es ├╝berschwemmte den Marktplatz, so da├č S├Ągb├Ąume daselbst schwammen und schwoll so sehr an, da├č es im Pfarrhaus zwei Schuh hoch aufd├Ąmmte.

Der Weiherdamm an der Lohm├╝hle war in wenigen Minuten durchbrochen; die rei├čenden Fluten zerst├Ârten die M├╝hle und nahmen Stall und Schweine mit fort, verw├╝steten den Pfarrgarten und ertr├Ąnkten zwei Ochsen des Nachbarn im Stalle des Hauses, wo Eltern und Kinder beisammen waren, blieb zur Rettung nichts anderes mehr ├╝brig, als da├č sie sich auf den Ofen fl├╝chteten. Nur der bald erfolgte Durchbruch des unteren Dammes rettete sie vor dem augenscheinlichen Tode. Als der Damm nachgab, war in einem Augenblick das Hirtenhaus, dessen Bewohner sich noch zur rechten Zeit gefl├╝chtet hatten, von den Wellen verschlungen und ein Teil des jenseitigen Zimmermannshauses samt Nebengeb├Ąuden ein Raub der Fluten geworden. Die Stra├če nach Hirschau war auf mehr als 100 Fu├č L├Ąnge g├Ąnzlich vernichtet, so auch bei Holzhammer.ÔÇť Nach Erz├Ąhlungen ├Ąlterer B├╝rger soll das Gewitter ├╝ber einen Tag gedauert haben.



Wesentlich j├╝ngeren Datums ist ein ÔÇ×Schweres Unwetter ├╝ber Raum Wernberg-AmbergÔÇť, wie die AZ vom 13. August 1955 titelt. ÔÇ×In den sp├Ąten Mittagsstunden des vergangenen Mittwoch (10. August) entlud sich ├╝ber dem hiesigen Gebiet ein schwerer Wolkenbruch. Der dicht str├Âmende Regen hielt etwa zwei Stunden an und setzte weite Stra├čen- und Flurgebiete, H├Ąuser und Scheunen unter Wasser.

Der H├Âhepunkt des Wolkenbruchs, wie man ihn hierzulande noch kaum erlebte, vollzog sich bei Immenstetten ÔÇô Steininglohe. Die Stra├če Hirschau-Schnaittenbach war vor├╝bergehend gesperrt, da das Wasser in kniehohen Fluten ├╝ber die Fahrbahn schwoll und au├čerdem Heuschober mit sich f├╝hrte. Die Bauern stiegen bis zum Leib in das Wasser und versuchten die Ernte zu retten. Die Ortseinfahrt nach Steininglohe war ├╝ber die Hirschau-Amberger Stra├če hinweg kniehoch ├╝berflutet. Selbst Lastwagen kamen nicht mehr durch. Auch einige H├Ąuser und Scheunen sowie eine Br├╝cke wurden vom Wasser ├╝berschwemmt. Das stehende Getreide wurde so in den Boden gepeitscht, da├č eine Einbringung in Frage gestellt oder zumindest maschinell undurchf├╝hrbar geworden ist.ÔÇť

Klimawandel hin, Klimawandel her. Offenkundig war Hirschau noch zu keiner Zeit vor Unwettern gefeit. Das wird sich wohl auch nicht ├Ąndern (lassen). Bleibt zu hoffen, dass das n├Ąchste noch ganz, ganz lange auf sich warten l├Ąsst!

 - Foto von Werner SchulzFoto: Werner Schulz

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Foto: Werner Schulz
Foto: Werner Schulz