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Nachricht vom 26.01.2018 Vereine

Kulturell wertvollen Abschnitt Hirschauer Steingutgeschichte präsentiert

Amberg-Sulzbach/Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Ganze f√ľnf Monate arbeiteten die K√ľnstlerinnen Helene Fischer und Maria Piffl 1930 in der Hirschauer Steingutfabrik des Carstens-Konzerns. Dennoch war ihr Wirken so bedeutend, dass ihnen der Hamburger Kulturhistoriker Volker Zelinsky zusammen mit dem Festspielverein und seinem Vorsitzenden Hans Drexler eine Sonderausstellung widmete ‚Äď die Ausstellung VasenKunst.

90 Jahre nach ihrer Entstehung waren rund 150 von den beiden √Ėsterreicherinnen entworfene Exponate - Leihgaben verschiedener Sammler/innen und Objekte aus dem Nachlass der K√ľnstlerinnen - sowie der √úberblick √ľber ihr Lebenswerk drei Monate lang in der Alten M√§lzerei zu sehen. Gut 400 Besucher aus Hirschau und der weiteren Umgebung konnten die Ausstellungsbetreuer aus den Reihen des Festspielvereins w√§hrend dieser Zeit an den Wochenenden begr√ľ√üen. Ein Gro√üteil von ihnen vertiefte sein Wissen √ľber Fischers und Piffls Schaffen durch den Kauf des den die Ausstellung begleitenden Katalogs.

Zur Finissage am letzten Ausstellungstag war Zelinsky nochmals aus Hamburg ‚Äěin die Oberpf√§lzer Provinz‚Äú gereist. Bei zwei F√ľhrungen konnte er noch einmal die Highlights der Ausstellung und Besonderheiten des Schaffens der damals gerade einmal 22 Jahre alten Entwerferinnen den Besuchern erl√§utern. Ihre Vasenkunst mit ihren kubistisch geometrischen Formen sei zur damaligen Zeit in Deutschland einzigartig gewesen. Einmalig seien Maria Piffls abstrakte Stricheldekore in den Hauptfarben Ocker-Braun, Gr√ľn-Gelb und Blau-Grau. Von ihnen konnten mehr als 25 Versionen nachgewiesen werden, die bis zum Ende der 1930-er Jahre verwendet wurden.

Die Exponate seien ein Beleg daf√ľr, dass f√ľr die Keramikfabriken au√üer der Gebrauchs- und Haushaltskeramik die Kunstkeramik von gro√üer Bedeutung gewesen sei. Die Ausstellung spiegle sehr gut den √úbergang von streng geometrischen eckigen Formen hin zu organisch weichen Silhouetten der Vasen, Dosen, Schalen und Service wieder. Zusammengefasst k√∂nne man sagen, dass Fischer und Piffl die Abstraktion in die Oberpfalz gebracht haben. Das Besondere der Ausstellung sei nicht nur das √§sthetisch hohe Niveau der Objekte einer kleinen Steingutfabrik weitab von den Metropolen gewesen, sondern auch die Tatsache, dass das gezeigte Sortiment von 45 Formen in nur f√ľnf Monaten im zweiten Halbjahr 1930 entworfen worden war.

In seiner Danksagung an den Festspielverein und dessen viele freiwillige Helfern hob Zelinsky hervor, dass Hirschau der einzige Standort der zehn Keramikfabriken von Carstens ist, in dem seit mehr als zehn Jahren die Erinnerung an die Steingutfabrik durch immer neue Ausstellungen und Ver√∂ffentlichungen wachgehalten wird. Zu verdanken sei dies in besonderer Weise dem k√ľrzlich verstorbenen Sammler und Kulturdirektor a.D. Michael Popp. Er habe 2004 den Ansto√ü f√ľr die erste Ausstellung des Hirschauer Steinguts gegeben. Dank geb√ľhre ebenso den wenigen engagierten Sammlern aus nah und fern und vor allem auch dem Festspielverein mit seinen Vorsitzenden Hans Drexler und Alfred H√§rtl. Auf deren n√§chstes Projekt d√ľrfe man schon jetzt gespannt sein.

Die Idee um Fischer-Piffl-Projekt war 2016 w√§hrend der Sonderausstellung Siegfried M√∂ller von Hans Drexler geboren worden. Volker Zelinsky habe diese Idee dankenswerter Weise aufgegriffen und in die Tat umgesetzt. Er selbst und die Festspielvereinsmitglieder h√§tten ihn dabei gerne unterst√ľtzt. Gleichzeitig d√§mpfte Drexler die Erwartungen, der Verein k√∂nne in naher Zukunft wieder eine derartige Veranstaltung auf die Beine stellen zu k√∂nnen. ‚ÄěDazu sind wir nicht alle Jahre in der Lage.‚Äú Davon unabh√§ngig verfolge der Verein weiter das Ziel, ein Steingutmuseum einzurichten, um die Erinnerung an ein bedeutendes Kapitel Hirschauer Wirtschafts- und Kulturgeschichte lebendig zu halten.

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