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Nachricht vom 01.01.2017 Politik

CSU-Ortsverband feiert 70-JĂ€hriges

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Am 7. Januar 1946 wurde der CSU-Ortsverband gegrĂŒndet. Das 70-JĂ€hrige wurde mit einem Festabend im Josefshaus gefeiert. Höhepunkte waren der RĂŒckblick des Ehrenvorsitzenden Werner Schulz, die Festrede von Ex-Minister und Ex-Parteivorsitzendem Erwin Huber, die Ernennung von Walter Dobmeyer zum Ehrenmitglied und die Ehrung langjĂ€hriger Mitglieder. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung, zu der die Ortsvorsitzende Birgit Birner auch StaatssekretĂ€r a.D. Rudolf Kraus, MdL Dr. Harald Schwartz, Bezirksrat Martin Preuß und BĂŒrgermeister Hermann Falk begrĂŒĂŸen konnte, von den Watzndorfer SĂ€ngern.

Die 45-minĂŒtige RĂŒckschau von Werner Schulz geriet zu einer geschichtlichen, mit viel Beifall bedachten Lehrstunde. Besonders intensiv widmete er sich der GrĂŒnderzeit. Er rief ins GedĂ€chtnis, dass die Amerikaner am 22. April 1945 mit Panzern nach Hirschau eingerĂŒckt waren, zwei Tage nachdem sie die Stadt bombardiert hatten. Der seit 1933 amtierende BĂŒrgermeister Dr. Thoma wurde seines Amtes enthoben. An seiner Stelle wurde der Sozialdemokrat Mathias Amann eingesetzt, zu seinem Stellvertreter Anselm Freimuth ernannt. Er hatte seit 1924 als Mitglied der Bayerischen Volkspartei dem Stadtrat angehört, bis er wie seine BVP-Kollegen sein Mandat auf Druck der Nazis 1933 „freiwillig” niederlegen musste. Wegen abfĂ€lliger Äußerungen ĂŒber die NSDAP und den FĂŒhrer wurde er fĂŒr einige Tage in der Fronfeste in Amberg inhaftiert und danach unter Hausarrest gestellt.

Der von den Amis eingesetzte Landrat Dr. Martin Winkler ĂŒberzeugte Freimuth, die GrĂŒndung einer neuen Partei zu wagen. Selbst Mathias Amann ermunterte ihn dazu. Letztlich veranlassten ihn die fĂŒr den 27. Januar anberaumten Gemeindewahlen dazu, am 7. Januar 1946 zur GrĂŒndung der „Christlich-Sozialen Einheit” (CSE) in den Fahnensaal des Kommunbrauhauses einzuladen. Die 47 anwesenden MĂ€nner sprachen sich einmĂŒtig fĂŒr die GrĂŒndung aus. Eine Mitgliederaufnahme oder Vorstandswahl fand nicht statt. Zentrales Thema war die Aufstellung einer 16-köpfigen Stadtratsliste. Diese firmierte auf den Wahlunterlagen als „Christlich-Soziale Einigkeit“. Die Stadtratswahl verlief erfolgreich. Mit Johann Brumbach, Heinrich Dobmeyer, Michael Fleischmann, Anselm Freimuth, Wilhelm Schorner und Hans Leistl zogen sechs “CSE’ler” in den elfköpfigen Stadtrat ein. Die SPD errang fĂŒnf Sitze, die KPD ging leer aus.



Da damals der BĂŒrgermeister vom Stadtrat gewĂ€hlt wurde, hĂ€tte die “CSE” dieses Amt besetzen können. Freimuth verzichtete wegen der beruflichen Belastung als Schneider und Landwirt und wegen der Sanierungsarbeiten an seinem beschĂ€digten Haus. Amann wurde ebenso einstimmig zum 1. BĂŒrgermeister gewĂ€hlt wie Freimuth zu seinem Stellvertreter. FĂŒr die BĂŒrgermeister rĂŒckte aus der jeweiligen Liste der erste Ersatzmann in den Stadtrat nach. Bei der “CSE” war dies Franz Gebhard. Da es am 7. Januar zu keiner Vorstandswahl gekommen war, wurde diese FormalitĂ€t am 4. MĂ€rz 1946 nachgeholt. Der Wahlerfolg hatte nicht die erhofften Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen. Kaum jemand wollte (oder konnte) den Beitrag bezahlen.

Am 4. MĂ€rz traten nicht einmal alle 16 CSE-Stadtratskandidaten der Partei bei, die ab diesem Tag offiziell „Christlich-Soziale Union“ (CSU) hieß. Das Protokoll nennt als GrĂŒndungsmitglieder 14 MĂ€nner: Anselm Freimuth (1. Vorsitzender), Johann Brumbach (2. Vorsitzender), Heinrich Dobmeyer (SchriftfĂŒhrer), Johann Leistl, Michael Fleischmann, Johann Rösch und Hans Gallwitzer (alle Beisitzer) sowie Franz Gebhard, Wilhelm Schorner, Josef Freimuth, Michael Fleischmann (Lagerhaus), Georg Rösch und Johann Wittmann. FĂŒr die CSU folgten schwere Zeiten.

1948 verlor man die Mehrheit im Stadtrat. Nur mehr drei CSU’ler kamen in das jetzt 16-köpfige Gremium. Freimuth unterlag bei der BĂŒrgermeisterwahl dem neuen SPD-Kandidaten Lederer. Von Zeitzeugen, so Schulz, wisse man, dass Freimuth von 1946 bis 1948 oft den ViehhĂ€ndler Hanauer begleiten musste, der im Auftrag der MilitĂ€rregierung bei den Bauern Vieh und Brotgetreide beschlagnahmte. Die Landwirte, StammwĂ€hler der CSU, verweigerten ihm ihre Stimme: “Der woar beim Hanauer dabei!”

Noch schlechter erging es der CSU bei den Wahlen 1952. Man errang nur mehr zwei Stadtratssitze. Der Ortsverband hatte gerade noch 5 Mitglieder, als Paul Freimuth am 6. MĂ€rz 1955 den Ortsvorsitz ĂŒbernahm. Unter seiner FĂŒhrung wendete sich das Blatt.

Nach den Wahlen vom 18. MĂ€rz 1956 zogen mit ihm, mit Georg Dobmeier, Karl Knorr, Anton Zimmermann und Willi Bösl fĂŒnf CSU‘ler in den Stadtrat ein. Noch besser kam es am 26. Oktober 1958. Nach dem RĂŒcktritt von BĂŒrgermeister Lederer setzte sich Willi Bösl mit 59,4 % gegen den 2. BĂŒrgermeister Eugen Biller (SPD) durch.

Bei den Wahlen am 27. MĂ€rz 1960 wurden die MehrheitsverhĂ€ltnisse im Stadtrat auf den Kopf gestellt. Willi Bösl gewann die BĂŒrgermeisterwahl mit 77,36 %. Die CSU erhöhte ihre Sitzzahl auf 9 Mandate, die SPD rutschte von bislang 8 auf 5 Sitze ab. Bösl wurde bei drei weiteren Wahlen 1966, 1972 und 1978 mit ĂŒberwĂ€ltigen Mehrheiten bestĂ€tigt. Die Kreispolitik gestaltete er von 1962 bis 1984 als stellvertretender Landrat maßgeblich mit. In seine Amtszeit fiel die Gebietsreform, bei der er hartnĂ€ckig und am Ende erfolgreich fĂŒr die Eingliederung Massenrichts nach Hirschau kĂ€mpfte. Als er 1984 aus dem Amt schied, bescheinigte ihm RegierungsprĂ€sident Krampol, dass „Hirschau unter ihm zu einem kleinen MusterstĂ€dtchen geworden ist.“

An diesem wurde unter Helmut Rösch, der bei den BĂŒrgermeisterwahlen 1984, 1990 und 1996 das Vertrauen der Hirschauer erhielt, konsequent weitergebaut. Als wichtigstes der unter Rösch umgesetzten Projekte bezeichnete Schulz die Umstrukturierung des Krankenhauses in ein Alten- und Pflegeheim. Gerade dafĂŒr habe er eine Unmenge unsachlicher Attacken des politischen Gegners hinnehmen mĂŒssen. In Folge der Kampagne verlor die CSU ihre Mehrheit im Stadtrat. Sie stellt aber bis heute mit 9 Sitzen die stĂ€rkste Fraktion.

2002 wurde mit Hans Drexler der nĂ€chste CSU-Mann zum BĂŒrgermeister gewĂ€hlt. 2008 schenkten ihm bei seiner Wiederwahl 71 Prozent der WĂ€hler das Vertrauen. Mit seinem Namen wird immer der Neubau des Freizeitzentrums Monte Kaolino und die Sanierung der Innenstadt verbunden bleiben. Seit 2014 steht mit Hermann Falk wieder ein CSU-Mann an der Spitze der Stadt. Schulz zeigte sich ĂŒberzeugt, dass unter Falks FĂŒhrung Hirschaus Erfolgsgeschichte fortgesetzt wird.



Im Ortsvorsitz herrschte die meiste KontinuitĂ€t. Auf Anselm Freimuth (1946-1955) und Paul Freimuth (1955-1972) folgte Hans Fleischmann (1972-Jan. 1979), der GrĂŒnder des JU-Ortsverbandes. Unter ihm stieg die Mitgliederzahl auf 160 an. Nach einem Intermezzo durch Karl-Heinz Knorr (Januar 1979-August 1979) ĂŒbernahm Werner Schulz im November 1979 den Ortsvorsitz bis zu seiner Wahl zum CSU-Kreisvorsitzenden im Jahr 1993. WĂ€hrend seiner Amtszeit konnte die Mitgliederzahl auf ĂŒber 200 gesteigert werden. Sein Nachfolger GĂŒnter Mrasek verstarb 1996 im Alter von 44 Jahren. Nach einer Interimszeit wurde Petra Waldhauser 1997 zur Vorsitzenden gewĂ€hlt. Unter ihrer FĂŒhrung pulsierte das Ortsverbandsleben bis 2009 munter weiter. Ähnlich großes Engagement zeigte ihr Nachfolger Dieter Birner. Nach seinem RĂŒcktritt 2014 wurde Birgit Birner zur Ortsvorsitzenden gewĂ€hlt.



Dem RĂŒckblick folgte die Festrede des frĂŒheren Ministers und Parteivorsitzenden Erwin Huber. Er bezeugte den Hirschauer Parteifreunden großen Respekt. Sie zĂ€hlten zu den ersten, die den demokratischen Wiederaufbau tatkrĂ€ftig in Angriff genommen hĂ€tten. „Die Demokratie braucht immer MĂ€nner und Frauen, die tagtĂ€glich das politische Geschehen gestalten, wie es vorbildlich vor Ort geschieht“, lobte er den CSU-Ortsverband. Er habe in der Zeit der deutschen Wiedervereinigung hier besonders hohes Engagement erlebt, als es darum ging, dem östlichen Teil des Vaterlandes zu helfen. Werner Schulz habe sich dabei vor allem verdient gemacht.

Huber zĂ€hlte zu den unvergĂ€nglichen Werten der CSU die Verwurzelung in Bayern, das christliche Menschenbild, die SolidaritĂ€t in Marktwirtschaft und Sozialstaat und die europĂ€ische Orientierung. „Die großartige wirtschaftliche Entwicklung Bayerns und besonders der Oberpfalz beruht auf dem Fleiß der Menschen, aber auch auf der richtigen Weichenstellung der Politik in Bayern, die seit sechs Jahrzehnten ununterbrochen von der CSU geprĂ€gt wird“, stellte er heraus. Seit Jahren habe die Oberpfalz die geringste Arbeitslosigkeit in Bayern. „Das ist eine Leistung, von der man frĂŒher nie zu trĂ€umen wagte“, fasste er die wirtschaftliche Bilanz zusammen. Die lĂ€ndlichen RĂ€ume hĂ€tten Chancen und Zukunft in Bayern.

An der Spitze finde man die CSU auch immer dann, wenn es um Familienpolitik gehe, betonte der langjĂ€hrige Minister. Landeserziehungsgeld, Betreuungsgeld und MĂŒtterrente gĂ€be es ohne CSU nicht. „Wir respektieren alle Formen des Zusammenlebens, aber die Familie hat fĂŒr uns in der praktischen Politik PrioritĂ€t, weil das fĂŒr die Kinder die beste Form der tagtĂ€glichen WĂ€rme, der Betreuung und Erziehung ist“, fasste Huber zusammen.

Der Redner brach auch eine Lanze fĂŒr die Partnerschaft in Europa. Die EuropĂ€ische Union sei nicht nur eine Wirtschafts- sondern auch eine Wertegemeinschaft, ein Friedenswerk und die Chance, Sicherheit und Frieden auf dem Kontinent zu erhalten. „Auch TerrorbekĂ€mpfung, Umweltschutz, Klima und Migration können nur gemeinsam erfolgreich angegangen werden“, gab er zu bedenken. Abschließend rief der Festredner dazu auf, „Politik mit Herz und Kopf“ zu machen. Bloße Stimmungsmache reiche nicht aus, ein Land zu regieren. Direkt wandte er sich an die BĂŒrger mit der Aufforderung, radikalen KrĂ€ften eine Abfuhr zu erteilen. „Wir wollen den Wettbewerb der demokratischen Parteien mit Argumenten nicht die Angstmacherei der Radikalen!“



Gemeinsam mit Birgit Birner, dem Kreisvorsitzenden Dr. Harald Schwartz und BĂŒrgermeister Hermann Falk nahm Huber die Ehrung langjĂ€hriger Mitglieder vor. Geehrt wurden: Hans Bösl (60 Jahre), Georg Zimmermann und Martin Kohl (beide 45 Jahre), Evi und Hans Kammerl (beide 40 Jahre), Walter Majecki (35 Jahre), Brigitte Stark (25 Jahre), Gerhard König und Birgit Birner (beide 20 Jahre) sowie Sepp Strobl und Werner Weigl (beide 15 Jahre). Eine besondere Auszeichnung gab es fĂŒr Walter Dobmeyer. Als Anerkennung, dass er wĂ€hrend seiner 54-jĂ€hrigen Parteizugehörigkeit viele Jahre aktiv in der Ortsvorstandschaft und im CSA-Kreisvorstand mitgearbeitet hat, wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.

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