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Nachricht vom 06.08.2016 Kultur & Feste

Burgstaller Kirwaleute spenden fĂĽr Aphasiker

Amberg-Sulzbach/Burgstall (Bericht von Werner Schulz)  Kirchweihfeste gibt es gar viele in der Region Amberg-Sulzbach. Kaum eine der Kirwan ist so stark von sozialem Engagement der Veranstalter geprägt wie die “Burgstaller Kirwa”. Auch dieses Jahr lieferte die Dorfgemeinschaft wieder einen nachhaltigen Beweis: Ihr Ortssprecher Hans Scharl konnte an den Vorsitzenden der „Selbsthilfegruppe fĂĽr Aphasiker und Angehörige Amberg-Sulzbach“ Manfred Belusa aus dem Kirwa-Erlös eine Spende in Höhe von 500 Euro ĂĽberreichen.

Zur Spendenübergabe besuchten Hans Scharl und eine Reihe bei der Kirwa engagierter Burgstaller Dorfbewohner sowie Pfarrvikar Christian Preitschaft das Gartenfest der Selbsthilfegruppe im Vogelheim in Sulzbach-Rosenberg. Bei Kaffee und Kuchen schilderte Manfred Belusa die Schwierigkeiten, mit denen ein Aphasiker im Alltag zu kämpfen hat und erläuterte die Hilfestellungen, die die Selbsthilfegruppe den Betroffenen gibt.

Es ist eine bedrückende Vorstellung: Als Folge eines Schlaganfalls kann es passieren, dass das Sprachzentrum im Gehirn Schaden erleidet. Die Patienten haben ihr Wissen, ihre Ideen und ihre Intelligenz, aber das Sprachrohr nach außen funktioniert nicht mehr – ein Schicksal, von dem auch ein Burgstaller Einwohner betroffen ist. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man als Aphasie. Hervorgerufen werden kann die Gehirnschädigung auch von Tumoren oder durch eine Kopfverletzung.

Nach Tagen oder Wochen auf der Intensivstation und einigen Monaten Reha kommen Schlaganfallpatienten wieder nach Hause. Manche sitzen im Rollstuhl, einige können schon wieder gehen, aber die Sprache ist weg. "Das ist wie bei einer Apotheke, in die eingebrochen wird. Die Einbrecher leeren die sorgfältig aufgeräumten Schubladen aus und werfen alles durcheinander. Man weiß zwar, es ist alles noch da, aber man findet es nicht mehr. So geht es dem Aphasiker mit den Wörtern", sagt Manfred Belusa, dessen Ehefrau nach einem Schlaganfall seit sieben Jahren an Aphasie leidet.

Die Angehörigen sind in solchen Fällen häufig überfordert. Ihnen und den Patienten steht zum Glück in der Region Amberg-Sulzbach die Aphasiker-Selbsthilfegruppe mit Rat und Tat zur Seite. Manfred Belusa bezeichnet die Selbsthilfegruppe nach Klinik und Reha als „dritte Stütze“ in der Gesundheitsversorgung für Aphasiker.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Selbsthilfegruppe vermitteln Logopäden, Neurologen und Rechtsberater, organisieren Infoveranstaltungen und machen Ausflüge mit den Betroffenen, um deren Selbstsicherheit zu stärken und sie so weit möglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. „Mittlerweile sind es 52 Männer und Frauen, die unsere Beratung und Hilfe in Anspruch nehmen“, berichtet Belusa und fügt hinzu, dass diese dafür teilweise Anreisen von mehr als fünfzig Kilometern in Kauf nehmen. „Sie kommen bis aus Nabburg, Wernberg-Köblitz und Neumarkt, weil die Oberpfalz ein „schwarzes Loch“ in der Aphasiker-Betreuung ist.“

In der Tat gibt es außer der Amberg-Sulzbacher Gruppe nur mehr eine in Weiden und in Regensburg. Nach Aussage von Belusa gibt es dagegen z.B. in Oberfranken 17 Gruppen. Die Treffen der Amberg-Sulzbacher finden jeden ersten Donnerstag im Klinikum St. Marien in Amberg statt. Manfred Belusa machte kein Hehl daraus, dass die Leistungen der Selbsthilfegruppe viel Geld kosten. Die Krankenkassen unterstützen zwar die Arbeit, aber es fehlt trotzdem überall. Unter dem Beifall der Anwesenden betonte er, dass er und alle, die bei der Gruppe Hilfe suchen, für die Spende überaus dankbar sind. „Jeder Cent geht eins zu eins an die Behinderten!“

„Wir unterstützen jedes Jahr mit der Erlös unserer Kirwa eine soziale Organisation“, erklärte Ortssprecher Hans Scharl. Er blickte kurz auf die “38. Burgstaller Kirwa” zurück, die vom 11. bis 13. Juli gefeiert wurde. Mit dem Termin habe man ausgesprochenes Glück gehabt. An allen drei Kirwatagen habe optimales Wetter geherrscht. Das Wetter alleine hätte nicht ausgereicht, um die Kirwa zu einem Erfolg werden zu lassen. Dazu habe es wieder des vorbildlichen Zusammenhalts der ganzen Dorfgemeinschaft bedurft.

Es sei alles andere als selbstverständlich, dass ein rund 60 Einwohner zählendes Dorf zur Kirchweih mit 17 Kirwapaaren aufwarten könne. Hans Scharl: “Unsere Kirwa 2016 war wieder ein echtes Gemeinschaftswerk! Jeder, der mitgeholfen hat, hat dafür viele Opfer gebracht!”

Das Schicksal eines Dorfbewohners sei ausschlaggebend gewesen, die Aphasiker-Selbsthilfegruppe als Spendenempfänger auszuwählen. Nach Manfred Belusas beeindruckenden Schilderungen sei man mehr denn je davon überzeugt, dass die Kirwa-Spende in den besten Händen ist. Es sei bewundernswert, wie durch den ehrenamtlichen Dienst der Mitglieder Menschen nach einem schweren Schicksalsschlag wieder zurück ins Leben geholfen wird.

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