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Nachricht vom 15.05.2016 Sonstiges

Steingutausstellung in „Alter Mälzerei“ dokumentiert wichtige kulturelle und wirtschaftliche Epoche Hirschaus

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Sie begann vor ziemlich genau 190 Jahren und endete vor 60 Jahren – die fĂĽr die Stadt Hirschau gleichermaĂźen kulturell und wirtschaftlich bedeutsame wie wechselvolle Industrie-Ă„ra der Steingutproduktion. Am 18. April 1826 erteilte die Regierung des Regenkreises die Konzession fĂĽr den Betrieb einer Steingutfabrik, die Heinrich Waffler und die BrĂĽder Karl Martin und Josef Konstantin Dorfner auf dem „oeden Gemeindeplatz vorm oberen Thore auf dem Punkte, wo sich die nach Amberg fĂĽhrende VicinalstraĂźe von der Prager HauptstraĂźe trennt“, erbauten. Vom 1. Juli bis 12. Oktober 1894 errichteten die Kinder Josef Dorfners 300 Meter sĂĽdlich der Stadt die neue Steingut- und Porzellanfabrik. Beide Fabriken wurden im Juli 1918 an den Konzern E. & C. Carstens verkauft. Die „alte Fabrik“ wurde 1918 geschlossen, fĂĽr die „neue Fabrik“ musste ihr letzter GeschäftsfĂĽhrer Alois Luckscha im Dezember 1956 Konkurs anmelden.

Rund 700 in der alten bzw. neuen Fabrik hergestellte Steingutstücke – Gebrauchsgeschirr genauso wie dekorative und künstlerisch gestaltete Exemplare - aus den Epochen Dorfner, Carstens und Luckscha sind ab sofort in acht Vitrinen im Erdgeschoss der „Alten Mälzerei“ im Pflegschloss zu besichtigen. Die Ausstellung wird dauerhaft in dem geschmackvoll sanierten Erdgeschossraum verbleiben. Möglich wurde dies, nachdem der Festspielverein den Pachtvertrag mit Clemens Dorfner für das Gebäude bis zum 1. November 2047 verlängern konnte.

Unter der Führung von Bürgermeister a.D. Hans Drexler und von Alfred Härtl wurden vom Verein knapp 84 000 Euro an Baukosten aufgewendet. Etwa ein Viertel davon haben die Vereinsmitglieder in Eigenleistung erbracht. Für den unteren Erdgeschossraum entstanden Materialkosten in Höhe von 49 637 Euro. Die Ausstattung mit Vitrinen, Schautafeln und anderen Gerätschaften hat weitere rund 24 000 Euro gekostet.

Der Festspielverein besitzt aktuell 791 Exponate. 226 von ihnen sind der Dorfner-Zeit zuzuordnen. 221 Exponate stammen aus der Carstens-Ära und 353 aus der Luckscha-Epoche. Ein Großteil der Ausstellungsstücke wurde dem Festspielverein geschenkt bzw. ihm bei der Auflösung des Kulturvereins überlassen. Viele Exponate wurden über Ebay ersteigert. Für alles zusammen hat man 15 350 Euro ausgegeben. Der Sammlerwert ist jedoch deutlich höher.

Die Schautafeln stammen aus der ersten, 2004 von Michael Popp initiierten Steingutausstellung im Schloss. Sie zeigen wichtige Zeitdokumente und informieren über die Rohstoffe, die zur Herstellung der Steingutwaren benötigt wurden und schildern die Fertigungsprozesse. Außerdem werden auf ihnen die Geschichte der beiden Hirschauer Steingutfabriken und deren Besitzer beschrieben.



Für die Ausstellung wäre es eine Bereicherung, wenn sie durch Leihgaben erweitert werden könnte. Der Festspielverein räumt auch die Möglichkeit ein, Steingutware befristet in einer Extra-Vitrine zu präsentieren. Wer daran Interesse hat, kann sich ab sofort mit dem Hans Drexler, Tel. 09622/5675 in Verbindung setzen.

Für die Ausstellung werden im Moment keine festen Öffnungszeiten eingerichtet. Wer sie besichtigen möchte – egal ob Einzelpersonen oder Gruppe – kann sich ebenfalls ab sofort bei Hans Drexler melden. Der Eintritt ist frei.

Ab dem 17. September wird es auf Initiative von Michael Popp in der „Alten Mälzerei“ eine Sonderausstellung „Siegfried Möller“ zu besichtigen geben. Siegfried Möller (1896-1970) war einer der vielseitigsten Keramiker des 20. Jahrhunderts.

Ab 1923 war Möller zunächst Leiter einer speziell für ihn eingerichteten Kunst-Keramik-Werkstatt der Hirschauer Steingutfabriken C. & E. Carstens. Die Möller-Ausstellung wird der Festspielverein mit festen Öffnungszeiten betreuen.

Michael Popp, dem es in aller erster Linie zu verdanken ist, dass sich die Hirschauer mit diesem bedeutenden Kapitel ihrer Stadtgeschichte beschäftigen, treibt aktuell eine Sorge um: Zu viel wertvolle Hirschauer Keramik landet im Müll-Container, wenn ältere Menschen ins Seniorenheim umziehen oder Haushalte aufgelöst werden. Die Nachkommen haben oft kein Interesse an den Stücken, weil diese alt, nicht mehr vollständig und/oder nicht spülmaschinenfest sind. In einem Brandrief mit der Überschrift „Rettet das Hirschauer Steingut!“ weist er darauf hin, dass vielen nicht bewusst ist, dass diese Teile in einer der Hirschauer Steingutfabriken hergestellt wurden, die bis 1956 vielen Menschen hier Arbeit gegeben und einen bescheidenen Wohlstand beschert haben. Die Hirschauer Fabriken

seien die größten in der Oberpfalz gewesen und ihre damalige Bedeutung werde mit

jedem neuen Fund offensichtlicher. Deshalb sollte die Erinnerung an dieses wichtige Kapitel Hirschauer Kultur-Geschichte bewahrt werden.

Gemeinsam mit Bürgermeister a.D. Hans Drexler habe er sich seit 2004 für die Einrichtung eines Museums eingesetzt. Bislang seien vier umfangreiche Ausstellungen gezeigt und drei Kataloge herausgebracht worden. Aus Keramikspenden Hirschauer Bürger sei seither dankenswerter Weise eine ansehnliche Sammlung entstanden, die in der „alten Mälzerei“ untergebracht ist. Parallel sammle die Familie Hoffmann-Ehringer. Eindringlich appelliert Michael Popp mitzuhelfen, Hirschauer Steingut vor dem achtlosen Wegwerfen und dem Vergessen zu retten und die Sammlung des Steingutmuseums zu bereichern. „Jede Tasse, jeder Teller, jede Vase kann wichtig sein!“

Er schlägt vor, die Steingutstücke im Vorzimmer von Bürgermeister Hermann Falk mit Namen und Adresse versehen abzugeben und mit ihm Kontakt aufzunehmen (Michael Popp, Rosengartenweg 9, 90451 Nürnberg. (Hauptstraße 56, Hirschau), Tel.: 0911 / 64 67 90 - Email: . Wenn jemand unsicher ist, ob seine Stücke wirklich in Hirschau hergestellt wurden, komme er gerne, um bei der Bestimmung zu helfen.

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