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Nachricht vom 2016-03-07
Verfasser: Werner Schulz  
Beeindruckende Zeitreise zurück ins Hirschau der 50-er und 60-er Jahre

Hirschau. Er erwies sich als der erwartete Besuchermagnet – der Bildervortrag „Hirschau von 1950 bis 1965“, den Stadtheimatpfleger Sepp Strobl auf Einladung der Kolpingsfamilie und des Frauenbunds zeigte. Der Pfarrsaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Einige Besucher mussten mit einem Stehplatz Vorlieb nehmen. Zur Freude des Kolpingvorsitzenden Siegfried Schorner war nicht nur die ältere, sondern auch die jüngere Generation stark vertreten.

Alle verfolgten eineinhalb Stunden lang die mit Musik unterlegten Kommentare ebenso konzentriert wie die Original-Töne von Landrat Dr. Hans Raß, der Bürgermeister Georg Lederer und Willi Bösl sowie von Klärwärter Franz Gebhard.

Eingangs betonte Strobl, dass man das Zeitdokument dem 2006 verstorbenen, bei der Stadt beschäftigten Hans Fleischmann zu verdanken habe. Der Leiter der Stadtverwaltung Walter Majecki habe ihn auf die alte Tonbandaufnahme aufmerksam gemacht, die bis dahin unbeachtet im Tresor lag. Strobl habe festgestellt, dass es sich um eine Sprachaufzeichnung mit Musikeinschnitten eines Diavortrags handelte, den Fleischmann 1965 im Josefshaus gezeigt hatte. Er habe dann zu den Texten passende Fotos aus Fleischmanns Bilderfundus herausgesucht und zu einer Beamer-Show zusammengeschnitten.

Gleich zu Beginn wurde an die Unterbringung der zahlreichen Heimatvertriebenen im ehemaligen RAD-Lager erinnert. Für die Jüngeren war es kaum vorstellbar, dass es bis 1953 keine Wasserleitung gab und alle, die keinen Hausbrunnen hatten, ihr Wasser per Handpumpen aus ein paar Brunnen in der Innenstadt entnehmen mussten.

Dokumentiert war eine Vielzahl von Baumaßnahmen. Neben der Wasserleitung waren dies u.a. der Bau der Kanalisation samt Kläranlage, des St. Wolfgang-Kindergartens, des Schulkomplexes und der Turnhalle sowie der Friedhofshalle und die Sanierung und Erweiterung des Krankenhauses. Die Erschließung von Bauland an der Friedrich-Zeitler-Straße und an der Marienstraße wie der Ausbau von Straßen wie z.B. der Burg- und der Walkstraße war dokumentiert.

Ein Thema war die Neugestaltung der Innenstadt, die das Aus für das gefürchtete Katzenkopfpflaster bedeutete. Da damals die B 14 und die Staatsstraße 2238 noch durch die Innenstadt verliefen, war es notwendig, die Engstellen beim Schloss und beim südlichen Stadttor zu beseitigen. Eng war es auch zwischen dem Gasthof Gambrinus und den Spitalhäusern südlich der Pfarrkirche. Deren Abriss war genauso festgehalten wie der Abbruch des an den Westgiebel des Rathauses angebauten Brauhauses.

Auf die schwindende Bedeutung der Landwirtschaft wurde u.a. am Beispiel der „rapide abgenommenen Ziegenhaltung“ hingewiesen. Dagegen waren die AKW mit ihren 700 Beschäftigten ebenso ein Beispiel für den wirtschaftlichen Aufschwung wie die von 1959 bis 1967 in der alten Keramik untergebrachte Firma Grundig mit 300 Frauenarbeitsplätzen.

Die Ursprünge der Freizeitanlage am Monte Kaolino wurden lebendig, als prominenente Skiläuferinnen wie die Olympia-Dritte Barbi Henneberger oder Vizeweltmeisterin Sonja Sperl den Sandberg hinunterbretterten. Ein Top-Ereignis war die Einweihung des Gebrüder-Dorfner-Stadions, in dem nicht nur Fußballspiele, sondern auch Leichtathletikwettkämpfe ausgetragen wurden.

Die Erinnerung an Jubiläen örtlicher Vereine mit imposanten Festzügen wurde genauso wachgerufen wie die an die Primizfeiern der Geistlichen Helmut Huber und Georg Dobmeier, an verdiente Persönlichkeiten wie AKW-Direktor Wolfgang-Droßbach und Geistlichem Rat Friedrich Zeitler oder an Originale wie den „Spital-Hartl“ sowie an den einstigen Kinderbrauch des „Gregori-Umzugs“.

Ein optisches Vortragsschmankerl war der Schönheitswettbewerb beim deutsch-amerikanischen Volksfest in Grafenwöhr im Jahr 1964. Das Bierzelt soll einem Hexenkessel geglichen haben, als sich die 15 Grazien aus Amberg, Weiden, Grafenwöhr, Auerbach, Vilseck und Hirschau präsentierten. Die Konkurrenz endete mit einem dreifachen Triumph der Hirschauer Damen. Als Siegerin wurde Marianne Riese (später Brinster), die im Pfarrsaal anwesend war, gekürt. Auf die Plätze zwei und drei kamen Luise Mendl (später Macziol) und Karin Pröls.

Ausführlich geschildert wurde ein Thema, das seit einigen Monaten die Hirschauer wieder aktuell bewegt – der Bau einer Realschule. Original-Ton von Landrat Dr. Raß bei einer Zusammenkunft im Jahre 1965 mit Bürgermeister Willi Bösl und Schulrat Wilhelm Hampel im Hirschauer Rathaus: „Im Hinblick auf die vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus bei der Errichtung neuer Mittelschulen angelegten Maßstäbe sind nach meiner Ansicht im Raume Hirschau das Bedürfnis und die Voraussetzungen für die Errichtung einer staatlichen Mittelschule (heute Realschule), zumindest einer Knabenmittelschule, gegeben. Einzelheiten müssen mit der Regierung und dem Kultusministerium noch besprochen werden. Der Sachaufwand für die zu errichtende Schule wird vom Landkreis zu tragen sein, der diese Belastung im Interesse der Bildung und Ausbildung unserer Jugend gerne übernehmen wird. Es ist beabsichtigt, im Jahr 1966 zu planen und im Jahr 1967 mit dem Bau der Schule zu beginnen. Ich habe deshalb im Haushalt 1966 bereits 25 000 DM für Planungskosten eingesetzt.“

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