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Nachricht vom 27.02.2016 Sonstiges

75. Geburtstag von StaatssekretÀr a.D. Rudolf Kraus

Schnaittenbach (Bericht von Werner Schulz)  Er war Politiker aus Leidenschaft, dabei ein gutes StĂŒck soziales Gewissen der CSU, und vollendet heute sein 75. Lebensjahr. Die Rede ist von StaatssekretĂ€r a.D. Rudolf Kraus. Dass er seinen FĂŒnfundsiebzigste nicht groß, sondern nur im engsten Kreis mit den Familien seines Sohnes Bernhard und seiner Tochter Barbara fernab von Schnaittenbach feiert, liegt auf der Hand. Vor gut einem Monat verstarb nach kurzer schwerer Krankheit seine Gattin Elisabeth. Seit Oktober 1964 war der Schnaittenbacher mit der Hirschauerin verheiratet. WĂ€hrend seiner langen und ĂŒberaus intensiven Politikerlaufbahn war ihm seine Frau stets ein starker RĂŒckhalt.

Geboren wurde der in Schnaittenbach aufgewachsene Rudolf Kraus am 27. Februar 1941 in Amberg. Schon bald zog es ihn aus dem Kaolinpott fort nach MĂŒnchen. Jahre vor Beginn seiner politischen Laufbahn beendete er 1959 seine kaufmĂ€nnische Lehre mit der KaufmannsgehilfenprĂŒfung. Anschließend besuchte er die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in MĂŒnchen, die er 1961 als Betriebswirt abschloss. Danach war er bei der Kraftanlagen AH Heidelberg, zuletzt als kaufmĂ€nnischer Leiter und Prokurist, in MĂŒnchen tĂ€tig. Von 1974 bis 1976 war er Prokurist der Firma Hans Brochier GmbH Co. KG in Feldkirchen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits mit seinem politischen Engagement begonnen. 1962 wurde er Mitglied der CSU und der Jungen Union, deren Kreisvorsitzender in MĂŒnchen er von 1963 bis 1967 war. Von 1969 bis 1990 war er Kreisvorsitzender des CSU-Kreisverbandes MĂŒnchen IV-Bogenhausen. Erster Schritt auf der politischen Karriereleiter war seine 1970 erfolgte Wahl in den Bezirkstag von Oberbayern, dem er bis 1974 angehörte. 1976 eroberte Rudolf Kraus das Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis MĂŒnchen-Ost. Er behielt dieses bis zum Jahr 1990.

Von da an bis zu seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik im Jahr 2005 gehörte er als direkt gewĂ€hlter Abgeordneter des Wahlkreises Amberg dem Bundestag an. Sein Wort hatte zunĂ€chst in Bonn, dann in Berlin Gewicht. Von 1989 bis 1992 war er Parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer der CSU-Landesgruppe und in dieser Funktion an vielen entscheidenden GesprĂ€chen in Zusammenhang mit der Wiedervereinigung beteiligt.

Krönung seiner Politikerlaufbahn war die am 8. Mai 1992 erfolgte Ernennung zum Parlamentarischen StaatssekretĂ€r beim Bundesminister fĂŒr Arbeit und Sozialordnung durch Bundeskanzler Helmut Kohl. In diesem Amt, das er bis zum 26. Oktober 1998 innehatte, bewĂ€hrte er sich in vielfacher Hinsicht als „Anwalt des kleinen Mannes“. Er engagierte sich mit Herzblut fĂŒr die EinfĂŒhrung und Ausgestaltung der Pflegeversicherung und beförderte maßgeblich die damalige Rentenreform.

Noch heute bringt ihn das Thema Rente in Wallung. UnermĂŒdlich plĂ€diert er dafĂŒr, dass nicht das Lebensalter, sondern die Lebensarbeitszeit fĂŒr die Rentenberechnung entscheidend sein mĂŒsste. Nach 45 Arbeitsjahren sollte man abschlagsfrei in den Ruhestand gehen können! Überhaupt ist er mit der Situation der Rentner in Deutschland unzufrieden, artikuliert das auch als Vorsitzender der Rentenkommission der CSU-Senioren-Union Bayern. FĂŒr ihn ist es nicht nachvollziehbar, dass im reichen Deutschlang die Rentner – gemessen an ihrem Arbeitseinkommen - niedrigere Renten haben als fast alle NachbarlĂ€nder.

Zufrieden stimmt den Jubilar die EinfĂŒhrung eines Mindestlohns. In seiner Partei war er in dieser Hinsicht ĂŒber Jahre ein einsamer Rufer. Nach der Abwahl der Regierung Kohl wurde Kraus mit dem Vorsitz im Bundestagsausschuss fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung betraut. Auch in dieser Funktion stellte er seine soziale Gesinnung nachhaltig unter Beweis. Es kommt nicht von ungefĂ€hr, dass ihn fĂŒr seine Verdienste um die AidsprĂ€vention 2009 mit dem höchsten Staatsorden der Mongolei ausgezeichnet wurde.

Auch in der Heimat erfuhr der Jubilar höchste Ehrungen. So ist Kraus seit 1991 TrĂ€ger des Bayerischen Verdienstordens und seit dem 29. Juli 1992 des „Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“. Die Stadt Schnaittenbach wĂŒrdigte die Verdienste ihres großen Sohnes mit der Verleihung der Goldenen BĂŒrgermedaille. Ganz hat sich Kraus nicht aus der Politik zurĂŒckgezogen. Seit gut zehn Jahren ist er Bezirksvorsitzender der CSU-Senioren-Union.

LĂ€ngst hat er sich jedoch an ein Leben jenseits der Politik gewöhnt. Er beschĂ€ftigt sich mit Familien- und Heimatforschung, sitzt hin und wieder zur Jagd an und trifft sich mit alten Freunden zu einem gepflegten Schafkopf. Zum Thema Schafkopf erzĂ€hlt er gerne eine im Jahr 1990 spielende Anekdote. Seine SekretĂ€rin ließ im Berliner Hotel Intercontinental fĂŒr ihn und drei bayerische Bundestagskollegen ein Zimmer zum Schafkopfspielen reservieren. Die Reservierung wurde zunĂ€chst bestĂ€tigt, wenig spĂ€ter aber telefonisch revidiert. BegrĂŒndung: „In das Interconti dĂŒrfen keine lebenden Tiere mitgebracht werden!“

Die Amberger Zeitung reiht sich gerne in die Schar der Gratulanten ein und wĂŒnscht Rudolf Kraus alles Gute.

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