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Nachricht vom 2016-01-11
Verfasser: Werner Schulz  
Africa-Luz-Notfallklinik in Sauraha eingeweiht

Hirschau. Seit 2000 engagiert sich die humanitäre Hilfsorganisation Africa Luz in Nepal, zunächst in der „Chhattrapati Free Clinic“ in Kathmandu, seit sieben Jahren in Sauraha-Bachhjauli im Chitwan-Nationalpark. Dort gab es in diesen Wochen Grund zum Feiern. Das von Africa Luz finanzierte Ambulatorium wurde eingeweiht, der Klinikbetrieb von nepalesischen Augenärzten übernommen. In Vertretung des verhinderten Africa-Luz-Vorsitzenden Prof. Dr. Dieter Dausch waren die ehrenamtliche Geschäftsführerin Bärbel Birner, Isabelle Haustein und die 18-jährige Medizinstudentin Julia Waldhauser angereist. Als Einweihungsgeschenk hatten sie eine komplette augenärztliche Untersuchungseinheit samt Patientenstuhl, gespendet von der Oberviechtacher Firma Optik Fuhrmann, im Gepäck.

Angesichts der vom Auswärtigen Amt herausgegeben Reisewarnungen war den drei Africa-Luz-Damen etwas mulmig zumute, als sie ihren Flug nach Nepal antraten. Eigentlich hätte sie ein Medizintechniker der für den Transport zuständigen Firma Heuser aus Werne begleiten sollen. Aufgrund der Warnungen und Empfehlungen blieb er aber daheim. Er hätte die für den Transport zerlegte Untersuchungseinheit in Nepal wieder zusammenbauen sollen – eine Aufgabe, die am Ende das Africa-Luz-Trio – unterstützt von Sher Kintzl-Bahadur – erledigen musste.

Er erwartete seine deutschen Gäste auf dem Flughafen in Kathmandu. Die 500 Kilogramm schwere Holzkiste mit dem zerlegten Gerät hatte er in seinem Haus zwischengelagert, allerdings erst, nachdem er am Flughafen 1200 Euro Zollgebühren entrichtet hatte. Sher Kintzl hatte ausreichend Diesel für den LKW und den Van besorgt, mit dem das Medizingerät und die Gäste in das ca. 200 Kilometer entfernte Sauraha-Bachhjauli gebracht wurden. Nach rund sieben Stunden abenteuerlicher Fahrt auf der vom Monsunregen schwer beschädigten „Straße“ wurde man am Zielort von der gesamten Vorstandschaft von Green-Society-Nepal herzlich begrüßt.

Sofort machte sich die dreiköpfige Africa-Luz-Delegation daran, die zerlegte Medizineinheit zusammenzubauen. Mit Unterstützung von nepalesischen Freunden und dank der technischen Versiertheit von Isabelle Haustein war das Gerät nach zwei Tagen funktionstüchtig. Der Einweihung der Notfallklinik stand nichts mehr im Wege. Rund 150 geladene Gäste – unter ihnen der Landrat und der Bürgermeister – waren zugegen, als Sher Kinthl-Bahadur, sein Bruder Shiri Kintzl, Green-Society-Präsident Basu Dev Dhungana und Bärbel Birner das Band an der Eingangstüre der Klinik durchschnitten.

Sher Kintzl-Bahadur verlas die Rede des leider abwesenden Africa-Luz-Vorsitzenden Prof. Dr. Dausch und ließ die Jahre Revue passieren. Dank Africa Luz sei in Sauraha ein Großprojekt entstanden. Es habe begonnen mit dem Bau des Prof. Dausch-Kinderhauses, danach dem der Elefantendungfabrik. Vorläufig letzter Mosaikstein sei die Notfallklinik. Die Menschen aus dem Gebiet Bachhjauli müssten nicht mehr zu den weit entfernten Krankenhäusern fahren. Dadurch hätten sich Kosten und Wartezeiten reduziert. In der Notfallklinik halten auch Ärzte anderer Fachrichtungen Sprechstunden ab. Säuglinge und Kinder könnten vor Ort geimpft werden und Vorsorgeuntersuchungen vornehmen lassen.

In der Elefantendung-Papierfabrik arbeiten aktuell zwölf Nepalesen. Fünf davon sind Frauen. Der Verkaufsladen sei derzeit leider geschlossen, weil im Moment fast keine Touristen kommen. Auch im Prof.-Dausch-Kinderhaus habe sich einiges getan. So seien in einem Nebenraum acht Computerarbeitsplätze eingerichtet worden. Auf dem von Africa Luz erworbenen Grundstück errichte ein Münchner Verein eine Schule. Sie werde schon im nächsten Jahr eingeweiht. Bärbel Birner nannte in ihrer Rede „Sauraha als ein Stück Heimat“. Sie sei schon zwölfmal im Chitwan gewesen. Die Gegend und die Menschen in Bachhjauli seien ihr ans Herz gewachsen.

Der Einweihungsfeier folgten für das Africa-Luz-Trio drei Tage Klinikbetrieb. Zusammen mit drei Augenärzten, zehn Helfern und drei Schwestern arbeiten sie täglich bis spät in die Nacht. Rund 500 Personen wurden untersucht, 100 Augen am Grauen Star operiert und wieder sehend gemacht. Untersuchungen wie Operationen erfolgten für alle kostenlos. Für die junge Medizinstudentin Julia Waldhauser war dies ein Erlebnis der besonderen Art, das sie bestens bewältigte.

Es folgte der zweite Teil der Nepalreise. Zunächst ging es zurück nach Kathmandu, von dort aus mit einem großen Jeep weiter ins Erdbebengebiet in Richtung Langtang-Gebirge in die Nähe von Ghorka. Bevor man aufbrach, wurden 100 warme Anoraks für Kinder, Lebensmittel, Öl, Reis, Linsen und Süßigkeiten gekauft. All dies konnte man aus den noch übrigen, bei Africa Luz eingegangenen Spenden für die Erdbebenopfer bezahlen.

Unter schwierigsten Bedingungen kam man oft nur im Schritttempo voran. Für 25 Kilometer brauchte man vier Stunden. Im Dorf angekommen, warteten schon 500 Kinder auf dem Schulhof. Da man nur 100 Jacken dabei hatte, bekamen nur die kleinsten Kinder einen Anorak, die übrigen Kinder (leider) nur Süßigkeiten. Bärbel Birner: „In uns kam ein schrecklich beschämendes Gefühl auf und wir versprachen, weitere Jacken zu bringen.“ Im Ort war jedes zweite Haus vom Beben zerstört. Rund 1600 Menschen waren ums Leben gekommen.

Bärbel Birner und ihre Begleiterinnen konnten die von ihnen im April gespendeten Wellbleche sehen, mit denen die Häuserreste abgedeckt wurden, um einigermaßen trocken wohnen zu können. Die Überlebenden waren fleißig dabei, neben den Ruinen neue Häuser zu errichten. Die Felder waren bestellt, die Reiseernte in vollem Gange. Mangos, Avocados, Tomaten und Rettiche werden in großen Mengen geerntet und nach Kathmandu zum Verkauf gebracht. Bedrückt und traurig trat man die Rückfahrt in die Hauptstadt an. Julia Waldhauser arbeitete dort weitere zwei Wochen in einem staatlichen Krankenhaus.

Das Reisefazit von Bärbel Birner, Isabelle Haustein und Julia Waldhauser: Nepal ist ein schönes Land mit freundlichen Menschen, aber Armut ohne Ende. Die Touristen fehlen, werden teilweise abgehalten in das Land zu reisen. Dadurch besteht die Gefahr, dass Nepal nicht vorwärts kommt, sondern immer mehr in Schwierigkeiten gerät. Die Africa-Luz-Projekte in Sauraha-Bachhjauli sind vom Erdbeben verschont geblieben. Für die Aktionen des Jahres 2015 wurde viel Geld ausgegeben. Daher ist bei Africa Luz ein großes Loch in der Kasse entstanden. Um weiter helfen zu können, ist Africa Luz nach wie vor auf Spenden angewiesen.

Wer „Africa-Luz Deutschland“ mit Spenden unterstützen will, kann diese entweder auf das Konto Nr. 200 799 799 bei der Sparkasse Amberg-Sulzbach (BLZ 752 500 00) oder das Konto Nr. 64 93 93 9 bei der Volks- und Raiffeisenbank Amberg (BLZ 752 900 00) überweisen. Wer sich dauerhaft für „Africa Luz“ engagieren möchte, der kann zum Jahresbeitrag von 60 € Mitglied werden. Nähere Auskünfte dazu gibt es beim Schatzmeister Reinhold Birner, Klostergasse 14, in 92242 Hirschau.

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