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Nachricht vom 13.09.2026 Kirchen

Die Urspringer Dorfkapelle - Resultat beispielhafter Gemeinschaftsleistung

Urspring (Bericht von Werner Schulz)  Sonntag, der 23. Juni 1991, war ein Fest- und Freudentag für die Ortschaft Urspring, wie ihn die Dorfbewohner weder vor- noch nachher wieder erlebt haben. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die neue Dorfkapelle im Beisein hunderter Gäste eingeweiht.

Die Kapelle wurde - zum Großteil in Eigenleistung der Dorfgemeinschaft - anstelle der über 120 Jahre alten Kapelle errichtet, die 1989 in das Museumsdorf Neusath-Perschen versetzt wurde. Eine eigene Kapelle hatten sich die Urspringer schon 1869 gewünscht. Damals mussten sie ca. eine Stunde zu Fuß zum Gottesdienstbesuch in ihren Pfarrort Gebenbach gehen. Der dortige Pfarrer Maximilian Bachmeyer erklärte am 13. Juli 1869 schriftlich sein Einverständnis. 1870 wurde die „einfache Kapelle“ erbaut und von Pfarrer Bachmeyer benediziert. Sie war eine „Andachtsstätte“, in der keine hl. Messen zelebriert wurden. Die kleine Glocke läutete morgens, mittags und abends zum „Ave Maria“. Die Bewohner versammelten sich freitags und sonntags zum gemeinsamen Gebet, im Mai täglich zur Maiandacht und einmal im Juni zum Schaueramt, um für gutes Wetter zu beten.

An der Kapelle nagte der Zahn der Zeit. Trotz einiger Renovierung war ihre Bausubstanz 1987 in einem schlechten Zustand. Deshalb überlegten die Urspringer, ob sie die Kapelle nochmals sanieren und dabei ein wenig vergrößern oder eine neue, größere erbauen sollten. Man entschied sich für den Neubau. Die alte sollte 1989 abgerissen werden. Dieses Schicksal blieb ihr jedoch erspart. Auf Initiative von Bezirkstags-Vizepräsident Josef Stauber, der in Gebenbach wohnte, kaufte der Bezirk Oberpfalz die Kapelle und baute sie samt Innenausstattung und Geläut im Freilandmuseum in Neusath-Perschen im „wieder auf. Am 23. August 1992 erhielt sie den kirchlichen Segen. Die Feier, an der auch Hirschaus 2. Bürgermeisterin Mathilde Lang teilnahm, wurde vom Urspringer Frauenchor umrahmt.

Wegen der Finanzierung des Neubaus wandte man sich an Bischof Manfred Müller und an Bürgermeister Helmut Rösch. Am Samstag, 21. April 1990, ging es los mit den Bauarbeiten.

Alle packten an, egal ob Mann oder Frau. Bereits am 12. Mai wurde im kleinen Rahmen Richtfest gefeiert. Wegen der Erntezeit ruhten die Bauarbeiten einige Wochen. Am 23. September 1990 gab es wieder Grund zum Feiern. Die neue, von einem Dorfbewohner gespendete Glocke wurde von Pfarrer Josef Madathiparampil dem hl. Konrad geweiht. Nachdem die Dachziegel aufgebracht waren, ertönte sie Mitte Januar 1991 erstmals vom Kapellenturm.

Am 23. Juni 1991 war der große Tag gekommen! Bei „Kaiserwetter“ bewegte sich der von der Blasmusik Gebenbach angeführte Kirchenzug zuerst zur Urspringer Quelle zur Weihwasserweihe. Von dort ging es zurück zur geschmückten Kapelle, um die sich hunderte Mitfeiernde scharten. Zu Beginn des Festgottesdienstes, den Pater Dr. Josef Pfab, Pater Alfred Lindner, Pfarrer Josef Madathiparampil und Dekan Norbert Demleitner in Konzelebration feierten, verlas letzterer die oberhirtliche Genehmigung und Beauftragung zur Weihe der Kapelle. Diese solle, so Pater Dr. Pfab in seiner Predigt, künftig ein Ort der Begegnung mit Gott und ein Hort der Ruhe und des Gebets sein. Er wünschte, dass sie ein echtes Ortszentrum wird. Nach der Predigt nahm er die Weihe der Kapelle und des neuen Altars vor.

Bei der weltlichen Feier konnte das 500-Personen-Festzelt die Gäste bei Weitem nicht fassen. Die AZ berichtete von 1 000 Gäsrten. Ortssprecher Konrad Birner begrüßte neben den Zelebranten eine Reihe von Ehrengästen, allen voran Bürgermeister Helmut Rösch. Dieser attestierte den Urspringern, stolz auf ihre Kapelle sein zu können. Der Bau sei zum Großteil ihrem Einsatz, ihrer Arbeit und ihren finanziellen Opfern zu verdanken. Die Dorfgemeinschaft habe die Hälfte der Baukosten von ca. 94 000 DM als Eigenleistung eingebracht. Besonders würdigte Rösch den vorbildlichen Einsatz von Ortssprecher Konrad Birner. Er habe sich nicht nur als Organisator voll engagiert, sondern selbst unermüdlich beim Bau mitgeholfen. Zum Dank überreichte er ihm den Ehrenkrug der Stadt Hirschau.

Dank sagte Rösch den Privatpersonen, der Kreissparkasse und der Kirchenverwaltung Gebenbach für ihre finanzielle Unterstützung, der Bischöflichen Finanzkammer für den Zuschuss von rund 19 000 DM. Auch Landrat Dr. Hans Wagner übergab eine Spende. Bezirkstags-Vize Josef Stauber freute sich, dass die alte Kapelle der Nachwelt erhalten bleibt. Für die Gemeinde Gebenbach gratulierte Bürgermeister Emil Kraus, für die Pfarrgemeinde der PGR-Vorsitzende Albert Rösch. Konrad Birner dankte in seiner Rede der ganzen Dorfgemeinschaft. Alle hätten vorbildlichen Gemeinsinn bewiesen. Er unterstrich die Bedeutung der Kapelle als Zentrum des Dorfes. Alle am Neubau Beteiligten erhielten Bilder von der Kapelle.

35 Jahre sind nun seit der Einweihung der Kapelle vergangen. Über die Zeit ist es ruhiger um sie und in ihr geworden – auch, aber nicht nur wegen des Priestermangels. Nach wie vor finden sich die Dorfbewohner alle Jahre im Juni zur traditionellen Schauermesse und zum anschließenden gemütlichen Beisammensein ein. Um die Pflege der Kapelle und deren Blumenschmuck kümmern sich das Jahr hindurch Erna Honig, Andrea Birner-Sebast, Franz- und Elfriede List sowie Sonja Strazzacappa.

Die alte, 1870 eingeweihte Kapelle wurde 1989 nicht einfach abgebrochen, sondern im Freilandmuseum in Neusath-Perschen wieder aufgebaut. - Foto von Archiv Erna HonigFoto: Archiv Erna Honig
Die alte, 1870 eingeweihte Kapelle wurde 1989 nicht einfach abgebrochen, sondern im Freilandmuseum in Neusath-Perschen wieder aufgebaut.

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Foto: Archiv Erna Honig
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