Schnaittenbach (Bericht von Werner Schulz) Sie gilt als auĂergewöhnlichste Formation der bayerischen Musik- und Kleinkunstszene, begeistert mit traditioneller Volksmusik genauso wie mit Swing oder Jazz, ist bekannt aus Funk und Fernsehen und feiert heuer ihr 30-JĂ€hriges â die âBlecherne Saitânâ.
Im Kaolinpott kennt sie jeder â den Gericke Franz mit seiner Tuba und seiner rauen âSatchmo-Stimmeâ, seine Frau Ingrid mit ihrer Zither und den Donhauser Sepp mit seiner Gitarre. Das Trio begeistert mit seiner weltweit einmalige Instrumenten-Kombination einfach jeden, der sie hört, egal ob im Wirtshaus mit witzigen selbstgestrickten Couplets oder in Kirchen, dort auch mit Ingrid Gerickes Harfe oder bei feierlichen AnlĂ€ssen mit wohlklingender Zithermusik. Bei den Darbietungen drĂ€ngen die butterweichen Tuba-KlĂ€nge die Zither- und GitarrenklĂ€nge nie in den Hintergrund. FĂŒr das PrĂ€sentieren ihrer StĂŒcke auf sehr hohem Niveau erhielt die âBlecherne Saitânâ 2019 den Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz. Die Stadt Schnaittenbach zeichnete sie mit dem Heimat- und Kulturpreis aus, auch der Ehrenpreis âZwieseler Finkâ wurde ihnen verliehen.
Begonnen hat die Erfolgsstory 1993 mit einem Partnersuche-Inserat von Franz Gericke, auf das sich eine gewisse Ingrid Scheuerer aus Amberg meldete. Franz war von Beruf Elektro-Installateur, Ingrid Diplom-Ingenieurin (FH) fĂŒr technische Chemie. Er blies beim Hirschauer Musikzug die Tuba, sie zupfte die Zither beim Amberger Zitherklub. Die Chemie stimmte sehr bald zwischen dem Paar, nicht nur in Sachen Musik. Als der Landshuter Zitherklub 1994 eine Florida-Konzerttournee unternahm, waren Ingrid und Franz mit von der Partie. Er hatte seine Tuba dabei und begleitete mit butterweichen KlĂ€ngen die Melodien der Zithergruppe. FĂŒr Franz war klar: Zither plus Tuba musste auch im Kleinen, als Duo, gut klingen. Tat es auch, z.B. beim Musikantentreffen beim Gschrei in Hirschau! Kreisheimatpflegerin Evi Strehl war vom Auftritt der Gerickes hellauf begeistert. 1996 grĂŒndeten Franz und Ingrid die âBlecherne Saitânâ. Franz hatte die Idee fĂŒr die Namensgebung: âDie Tuba ist ein Blechblas-, die Zither ein Saiteninstrument, also âBlecherne Saitân. Ich wollte keinen Namen wie âFamilie Gerickeâ. Der hĂ€tte bei auĂerfamiliĂ€rer VerstĂ€rkung nicht mehr gepasst. In der Tat wurde aus dem Duo ein Trio. Karl Schatz kam als Gitarrist hinzu. Als dieser ausschied, nahm man auf Empfehlung von Kreisheimatpfleger Hermann Frieser Kontakt zu Josef Donhauser aus Etzelwang auf. Mit seiner Gitarre und seiner Tenorstimme komplettiert er seit 2014 das Trio. Er erlernte als 7-JĂ€hriger das Gitarre- und 10-JĂ€hriger das Klarinettenspiel und verfĂŒgt ĂŒber jahrzehntelange Band-Erfahrung, spielte bei Cover-Bands wie z.B. den âHolidaysâ.
Ingrid Gericke lernte Blockflöte und Klavier und spielt seit ihrem 13. Lebensjahr Zither in klassischen Besetzungen, war Mitglied des Amberger Zitherkreises, der Schnaittenbacher Stubnmusi, begleitete viele Gesangsgruppen wie die Ehenfelder Moila, dâSchwalberer und den Schnaittenbacher Landfrauenchor. Sie leitet bis heute den Amberger Zitherklub. Sie absolvierte den B- und C-Schein an der Musikakademie in Trossingen und unterrichtet als Zitherlehrerin an der Musikschule in Neumarkt. Franz Gericke kam durch seine Geschwister zum Hirschauer Musikzug, erlernte dort das Bariton- und Tubaspiel. Das Spiel auf dem Sousaphon brachte er sich selbst bei. Als Tubist spielt er auch bei der Hammerbachtaler Blousn. Schon als Kind machte es ihm SpaĂ, ausgefallene Stimmen zu imitieren. Er jodelte wie Franzl Lang und sang wie Marylin Monroe oder Ronny. Mit seiner rauen Stimme schaffte er es 1996 als Louis-Armstrong-Imitator ins RTL-Finale der Soundmixshow. Zweimal war das Trio im BR-Fernsehen bei JĂŒrgen Kirners âBrettl-Spitzenâ zu Gast. Sie erklĂ€rten z.B., dass sie âNiad vo Dummsdorf sanâ und forderten âAlte, ruckâs Geld raus!â Im BR-Fernsehen sie in der Sendung âZwischen Spessart und Karwendelâ auf. RegelmĂ€Ăig prĂ€sent sind sie bei OTV und MĂŒnchen TV sowie im BR-Radio. BR-Heimat kĂŒrte sie zur Gruppe des Monats. Die âBlecherne Saitânâ ist auch international gefragt. Bis heute andauernde Freundschaften knĂŒpften sie bei Tourneen zu den Amberger PartnerstĂ€dten Argyll and Bute in Schottland tschechischen Ustin ad Orlici. Franz und Ingrid waren von 2005 bis 2008 beruflich in Huntsville in den USA. Sie machten dort bei internationalen Festivals in Alabama, Texas und Nashville die bayerisch-oberpfĂ€lzische Musik bekannt. Absolutes Highlight war fĂŒr die zehntĂ€gige Russland-Tournee im Dezember 2011 nach Jekaterinburg, Nischnij und Tscheljabinsk auf Einladung des deutschen Konsulats. Man spielte u.a. ins Russische ĂŒbersetzte Lieder von Willi ReiĂ. Franz trat als Satchmo auf. Ingrid erzĂ€hlt mit leuchtenden Augen: âDas waren unvergessliche GĂ€nsehautmomente beim Zusammenspiel mit Balalaikas und Gusli.â VerstĂ€rkt wurden sie dabei von Hackbrettspielerin Irmgard Haller. Das Publikum belohnte die Darbietungen mit stehenden Ovationen.
Solche gibt es fĂŒr die âBlecherne Saitânâ mit Sicherheit wieder am Sonntag, den 30. August, wenn der Arbeitskreis âHeimat und Kulturâ um 17 Uhr in den Innenhof des Rathauses (bei Schlechtwetter in den Kulturstadlâ zu einem ca. einstĂŒndigen Konzert mit dem Trio einlĂ€dt. Der Eintritt ist frei. Spenden fĂŒr wohltĂ€tige Zwecke sind erwĂŒnscht.
Foto: Archiv GerickeMöchten Sie Ihre Nachrichten/Presseberichte hier veröffentlichen? Senden Sie einfach Ihre Artikel per E-Mail an uns und wir veröffentlichen Ihren Beitrag hier auf kaolinpott.de!
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