Hirschau (Bericht von Fritz Dietl ) Im April 2020 erkrankte Birgit Birner an Covid 19. Die Hirschauerin war vor der Erkrankung sehr sportlich und engagierte sich ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen und Organisationen der Kaolinstadt. Die Krankheit änderte ihr ganzes Leben. Auch beruflich konnte die damals 45-Jährige ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben und musste in einem neuen Tätigkeitsfeld anfangen. Sie ist mittlerweile Gruppenleitung Kreditsachbearbeitung in der Bank.
Während der Reha in der Rehaklinik Espan in Bad Dürrheim gründete sie zusammen mit dem Wenzenbacher Karl Baumann, im Dezember 2020, die Selbsthilfegruppe „Post Covid Selbsthilfegruppe Ostbayern“. Sie haben der Erkrankung besonders in den Anfangsjahren ein Gesicht gegeben. Da es ziemlich die erste Selbsthilfegruppe in dieser Zeit war, bekamen sie Anfragen aus ganz Deutschland. Mittlerweile gibt es mehr Selbsthilfegruppen, da sich frühere Mitglieder in ihrer Region organisiert haben. Die Online-Treffen finden einmal im Monat per Zoom statt, da viele der Teilnehmer aufgrund der Erkrankung nicht Auto fahren können. Schnell bildeten sich vier Gruppen mit ca. 160 Mitgliedern, wobei die meisten jetzt aus der Region kommen. Immer noch kommen neue Mitglieder dazu. Somit ist die Selbsthilfegruppe „Post Covid Ostbayern“ fast seit Beginn der Pandemie bis jetzt aktiv. Mittlerweile werden Birner und Baumann bei den Online-Treffen von Sozialpädagoginnen und Psychologie-Studenten, die teilweise auch nach ihrem Studium weiter ehrenamtlich tätig sind, unterstützt. Weiterhin gibt es über die Mailadresse der Selbsthilfegruppe (gruppe@pc-19.de) immer wieder Anfragen von Betroffenen. Es werden viele Telefongespräche geführt, auch wenn sie keine Mitglieder sind. Dabei geht es hauptsächlich um den Austausch der Betroffenen untereinander. Welche Behandlungen und Reha-Maßnahmen haben einem persönlich geholfen.
Gesundheitspolitisch hat die Selbsthilfegruppe Änderungen bei der Weiterbehandlung des Diagnoseschlüssels für Covid 19 erwirkt. Eine weitere Anregung war, dass Post-Covid-Ambulanzen möglichst flächendeckend, in jedem Regierungsbezirk, zur Verfügung stehen. Von Anfang an herrschte ein reger Austausch mit dem bayerischen Gesundheitsministerium, vor allem mit dem damaligen Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Es konnten größere Summen für die Covid-Forschung erwirkt werden. Eine große Unterstützerin war auch die ehemalige Landtagsabgeordnete Sylvia Stiersdorfer.
Als Online-Referenten konnten auch mehrere Fachleute, wie die Covid-Forscherin Frau Prof. Barbara Schmidt, Universität Regensburg, gewonnen werden. Über diese Kontakte sind auch viele der Mitglieder in verschiedenen Studien dabei, um die Forschungen zu unterstützen. Die beiden Gründer der Selbsthilfegruppe stehen auch verschiedenen Studien beratend zur Seite, z. B. POSCOR. Auf ihre Initiative hin, gibt es ein bayernweites Netzwerk der Selbsthilfegruppen Post Covid. Auch beim bundesweiten Austausch im Rahmen der Long Covid Vernetzungsstelle sind beide regelmäßig aktiv und stehen bei der Gründung neuer Selbsthilfegruppen auf Wunsch beratend zur Seite.
Dieses jahrelange Engagement wurde jetzt mit der Bayerischen Staatsmedaille gewürdigt. Die Verleihung durch die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach fand in der Allerheiligenkirche der Münchner Residenz statt und ist sicher ein Ansporn sich weiter für Long- Covid-Erkrankte einzusetzen.
Foto: Fritz DietlMöchten Sie Ihre Nachrichten/Presseberichte hier veröffentlichen? Senden Sie einfach Ihre Artikel per E-Mail an uns und wir veröffentlichen Ihren Beitrag hier auf kaolinpott.de!
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