Hirschau (Bericht von Werner Schulz) „Wer rastet, der rostet“, sagt ein altes Sprichwort. Einer, der so schnell keinen Rost ansetzt, ist Robert Hierl. 2005 ging der heute 78-jährige Ex-Siemensianer in Vorruhestand, gründete im selben Jahr seine Firma Leadership-Services E.K. und berät seither Unternehmen im In- und Ausland.
Seit 1975 lebt Robert Hierl, der seit Mai 1973 mit seiner Frau Juliane verheiratet ist und mit ihr zwei Söhne hat, in Freudenberg. Seine Wurzeln, die er nachhaltig pflegt, liegen aber in Hirschau. Dort wurde er am 12. Januar 1948 als erstes von zwei Kindern der Eheleute Johann und Margarethe Hierl geboren, besuchte die Volksschule und absolvierte mit Erfolg bei AKW eine Lehre als Starkstromelektriker. Die während seiner vierjährigen Bundeswehrzeit beim Fernmeldebataillon 220 „Elektronische Kampfaufklärung“ besuchten Lehrgänge bildeten die Basis für seine Aufnahme in die Elektroniktechniker-Schule in Sindelfingen. Er schloss sie 1973 als staatlich geprüfter Elektroniktechniker ab. Im selben Jahr begann er seine Laufbahn bei Siemens Amberg als Konstrukteur für elektronische Steuerungen von Sondermaschinen. 1979 übernahm er die Aufgabe als Planer für die Elektronik-Automatisierung. Ab seinem Wechsel 1990 in das neue Elektronikwerk Amberg war er als Gruppenleiter für die Planung der Elektronik-Produktion zuständig. Werksleiter Barta war mit seiner Arbeit hoch zufrieden. Als das Werk 1993 einen Fertigungsplaner nach Japan zur Firma Fuji-Electric abordnen sollte, um die japanischen Produktionstechniken und Verbesserungssystematiken wie z.B. „The Toyota-Way“ kennenzulernen, fiel Bartas Wahl auf Robert Hierl.
Am 1. Mai 1993 sollte er im Fuji-Electric-Werk in Yokkaichi beginnen. Da der kein Japanisch konnte, wurde er vorab für 9 Wochen ins Japonikum nach Bochum zum Japanisch-Grundkurs entsandt. Robert Hierl: „In Japan habe ich einen 4-wöchigen Grundkurs besucht, außerdem ein halbes Jahr jede Woche 6 Stunden Privatunterricht genommen. Geholfen hat mir auch, dass ich viel Karaoke in Japanisch gesungen habe.“ In der Arbeit gewann er mit Tetsuro Higuchi einen Freund, zu dem er noch heute Kontakt hat und der ihm beim Japanischlernen viel half. „Er verwendete nur Wörter, die ich kannte und benutzte meine Grammatikfehler, sodass ich dachte, „jetzt kann ich Japanisch“. Vom 1. Januar bis Ende Juni 1994 wechselte er ins Werk nach Fukiage. Zurück in Amberg übertrug ihm Werksleiter Barta die Leitung der Gruppe „top-Koordination“ mit dem Auftrag: „Machen Sie eine Perle aus unserem Werk!“ Gesagt – getan! 1998 erhielt das Elektronikwerk die Auszeichnung „Fabrik des Jahres in Deutschland“. Als Anerkennung durfte er nochmal 3 Wochen in Japan einen Home-Stay-Sprachkurs machen. 2005 ging er im besten Einvernehmen in den Vorruhestand.
Im selben Jahr gründete er seine Beratungsfirma „Leadership-Services E.K.“. Einer seiner Hauptkunden war die Deutsche Bahn. Dort war er tätig als Trainer für die Anwendung der Datenbanksysteme. Nachgefragt werden seine Dienste von Firmen in Slowenien, Brasilien, China, Japan in der Türkei und in den USA. Sie wollen durchwegs „schneller + besser + kostengünstiger“ werden. Dafür bietet er 10 wirkungsvolle Systeme auf seiner Homepage an. Seit zwei Jahren arbeiten er und seine Kunden systematisch mit KI, um über hohe Datendurchdringung nützliche Hilfen auf dem Weg zum Erfolg zu nutzen. Zudem hat er eine „Blutwert-Transparenz-Analyse“ zur Früherkennung von Gesundheitsproblemen entwickelt.
Fleißig und erfolgreich war Robert Hierl nicht nur im Beruf. Ab 1963 engagierte er sich bei der Katholischen Jugend, wurde Gruppen- und Pfarrjugendführer, sang in der Schola der Pfarrei, trat 1966 der Kolpingsfamilie bei, gehörte zur Kolping-Theatergruppe und spielte mit Walter Widder, Heiner Schuster und Günter Dorner in der Band „Die flotten Jungs“ als Gitarrist. Als 15-Jähriger begann er mit dem Gitarrenspielen. Sein Schulkamerad Hans Widder brachte ihm die ersten drei Griffe bei, alles Weitere er sich selbst. Seine erste Gitarre (von vier) kaufte er sich, um in Gruppenstunden, bei Fahrten und Zeltlagern seiner KJG-Gruppe St. Wolfgang spielen und singen zu können. Heute gehören Liederabende mit ihm zu den Highlights im Programm der Kolpingsfamilie. Das Wirtshaus beim Gschrei ist jeweils gerammelt voll. Damit alle bei den Wunschkonzerten mitsingen können, hat er ein Liederbuch mit 200 Liedern „aus der guten alten Zeit“ drucken lassen. Das teilt er auch bei den Treffen des Schuljahrgangs 1947/148 oder bei Geburtstagsfeiern und Festen des Stammtisches „Loiterlboum“ in Weiher auf. Ihnen hat er 1977 mit (bescheidenem) Erfolg versucht, das Gitarrenspielen beizubringen. Für Kinder hat er (mit mehr Erfolg) in Freudenberg Gitarrenkurse gegeben. In Wutschdorf hat er bei Senioren-Faschingsnachmittagen gespielt, in Lintach bei Adventsnachmittagen, auch bei Ausflügen des Männergesangvereins Johannisberg – immer der Weisheit folgend: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Leute haben keine Lieder.“ Sehr gut in Erinnerung sind ihm die Auftritte mit seinem Onkel, dem „Hierl Schorsch“, einem in der Region bestens bekannten Volksmusikanten. Spaß macht es seinen vier Enkelkindern, wenn Opa Robert zur Gitarre greift und mit ihnen singt. Er selbst hat noch eine besondere Vorliebe, das Spielen mit der Mundharmonika. Ja - Robert Hierl ist wahrlich nicht in Gefahr, Rost anzusetzen.
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