zurück zur Übersicht

Nachricht vom 19.05.2026 Sonstiges

Als in der Hirschauer Steingutfabrik „die ersten Skier der Welt“ hergestellt wurden

Hirschau (Bericht von Werner Schulz)  Dass die Firma Carstens von 1918 bis 1938 in der „alten Fabrik“ hochwertige Steingutwaren produzierte, ist weithin bekannt. Kaum einer weiĂź, dass in der Fabrik unter dem Firmennamen „Somen & Carstens“ auch Skier hergestellt wurden.

In Hirschau hat man sich vor Jahren erzählt, diese sei die erste Skifabrik der Welt gewesen. So steht’s in Michael Popps Buch „Gruß aus Hirschau – Historische Ansichtskarten seit 1897“ auf Seite 14. Auf Seite 82 des Werkes belegt eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1941 in der Tat die Existenz der Skifabrik in der alten Steingutfabrik an der Nürnberger Straße. Zudem weist Popp in seinem Buch „Hirschauer Steingut“ auf Seite 84 darauf hin, dass die Zeitschrift „Keramos“ 1929 berichtete, Fabrikbesitzer Christian Carstens habe „sein Interesse am Ski auch durch die Erfindung einer eigenen Bindung und die Aufnahme der Fabrikation von Skiern bekundet“. Von der Existenz der Skifabrik, so Popp, habe auch Hirschaus ehemaliger 2. Bürgermeister Hans Dobmeyer (verstorben am 4. Juli 2018) erzählt, der Gründer und Ehrenvorsitzenden des SC Monte Kaolino. Dessen Vater habe sich noch gut an die Lieferung von riesigen Hickorystämmen erinnert, die aus Amerika eingeführt wurden und per Zug in Hirschau ankamen.

Einer, der Genaueres über die Skifabrik zu erzählen wusste, war Hans Schwendner. Er würde heuer am 15. Juli 109 Jahre alt werden und hat zu Lebzeiten in der Bahnhofstraße gewohnt. Als 76-Jähriger hat er im Dezember 1993 dem „Amberger Stadtkurier“ in einem Interview über seine Arbeit in der Skifabrik berichtet. Am 9. Juli 1917 geboren, hat er 1931 als 14-jähriger Lehrbub ein Jahr lang in der Skifabrik gearbeitet. Er hat in der Bahnhofstraße gewohnt und wäre heuer 109 Jahre alt. Als 76-Jähriger hat er dem „Amberger Stadtkurier“ in einem Interview über seine Arbeit in der Skifabrik erzählt. Als schlacksiger Bursch und zaundürr, wie es die damals noch nicht so üppige Kost dem Körper abverlangt hatte, hat er in der Firma angefangen. Die 18 Pfennig Stundenlohn waren für einen Jungen in dem Alter ganz ordentlich, weil ihm die „neue Steingutfabrik“, auf deren Areal heute die Firma Conrad Electronic steht, nur acht Pfennig bezahlt hat. Dorthin wechselte der Junge nach dem Aus der Skifabrik. In der Skifabrik begann sein Arbeitstag um 5 Uhr morgens und nach dem Motto „nur weg von der Straße“. Hans Schwendner musste bei allen Arbeiten mithelfen, die von den 20 bis 30 Beschäftigten zu leisten waren und für sie auch die Brotzeit holen. Die Arbeiter schnitten das angelieferte Holz mit Bandsägen auf die erforderliche Breite, frästen und bohrten die Ski und hobelten sie auf die richtige Stärke zurecht. Hergestellt wurden einfach Lauf- und Sprungski. Sie wurden in Kisten verpackt und in ganz Deutschland herumgeschickt. 60 bis 70 Paar wurden pro Tag von den Schreinern auf den ca. zehn Hobelbänken hergestellt. Wer selbst Skier wollte, musste sich als Arbeiter bei „Somen & Carstens“ eigenhändig „schnitzen“. Damals, so Schwendner, ist man mit den Skiern nur „a wenig rumg’rutscht“ und hat die Brettln noch mit dem Bügeleisen gewachst.

Schwendner erinnerte sich 1993 noch an die Namen einiger Kollegen. „Da war der Birner, ja und der Wild, der Zunner und der Schorner und der Pfab von Schönbrunn.“ Sie alle saßen auf der Straße, als plötzlich kein Holz mehr kam, weder Esche noch Hickory. Damit war es vorbei mit der Brettl-Euphorie. Die Produktion war am Ende. Dank guter Beziehungen seiner Vaters konnte er als 15-Jähriger übergangslos in der neuen Keramikfabrik anfangen. Dort begrüßte ich der Meister mit mitleidsvoller Stimme: „Wos, Bouberl, moußt a scho oawan?“

Niemand konnte damals ahnen, dass Hirschau später einmal durch den Monte Kaolino zu einem Sommerskiparadies wird und mit dem SC Monte Kaolino ein Skiclub entsteht, dessen Sportler deutsche Meistertitel erringen und an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnehmen.

In Hirschau hat man sich vor Jahren erzählt, dass in der Kaolinstadt die erste Skifabrik der Welt gestanden hat. Über diese Fabrik berichtete der „Amberger Stadtkurier“ in seiner Ausgabe vom 9. Dezember 1993, die den ehemaligen Mitarbeiter Hans Schwendner interviewte. - Foto von Archiv: Sepp StroblFoto: Archiv: Sepp Strobl
In Hirschau hat man sich vor Jahren erzählt, dass in der Kaolinstadt die erste Skifabrik der Welt gestanden hat. Über diese Fabrik berichtete der „Amberger Stadtkurier“ in seiner Ausgabe vom 9. Dezember 1993, die den ehemaligen Mitarbeiter Hans Schwendner interviewte.

Veröffentlichung

Möchten Sie Ihre Nachrichten/Presseberichte hier veröffentlichen? Senden Sie einfach Ihre Artikel per E-Mail an uns und wir veröffentlichen Ihren Beitrag hier auf kaolinpott.de!

Hinweis

Für den Inhalt der Beiträge ist der jeweilige Autor verantwortlich.

Bilder / Fotos

Foto: Archiv: Sepp Strobl
Foto: Archiv: Sepp Strobl
Foto: Archiv: Sepp Strobl
Foto: Archiv: Sepp Strobl