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Nachricht vom 2018-10-03
Verfasser: Werner Schulz  
Reichlich Gesprächsstoff beim Wiedersehenstreffen der Konsumfrauen

Vor einem Jahr hatten sich die Konsumfrauen im Kräuter-Stüberl in Schnaittenbach getroffen und fest ausgemacht, 2018 wieder zusammenzukommen. Für das Einhalten des Versprechens sorgten Waltraud Lorenz (vorne l.) und Betti Bergmann (vorne 2.v.l.). Ihrer Einladung folgten zehn ehemalige Kolleginnen. Zur Damenrunde gesellte sich Betti Bergmanns Sohn Uwe (vorne r.), seines Zeichens 2. Bürgermeister der Stadt Schnaittenbach.
Schnaittenbach/Hirschau. Bei welcher Gelegenheit kann man erfahren, wie viel im Jahr 1946 ein Pfund Brot, ein Liter Milch oder ein halbes Pfund Butter gekostet haben? Ganz einfach – beim Treffen der ehemaligen Konsumverkäuferinnen. Vor einem Jahr hatten sie sich im Kräuter-Stüberl in Schnaittenbach getroffen und fest ausgemacht, 2018 wieder zusammenzukommen. Dass das Versprechen eingehalten wurde, dafür sorgten mit Waltraud Lorenz (einstmals Gres) eine Hirschauerin und mit Betti Bergmann (einstmals Schorner) eine heutige Schnaittenbacherin. Ihrer Einladung in den Kräutergarten folgten zehn ehemalige Kolleginnen.


Zur Damenrunde gesellte sich Betti Bergmanns Sohn Uwe, seines Zeichens 2. Bürgermeister der Stadt Schnaittenbach. Er hatte im Lauf der Plauderstunde Wissenswertes über die Geschichte der Konsumgenossenschaften zu berichten.

Es lag in der Natur der Sache, dass zunächst Nostalgie pur angesagt war und die Zeiten lebendig wurden, als die Konsumläden in den beiden Kaolinstädten in den 1950-er und 1960-er Jahren noch allererste Einkaufsadressen waren. Anders als heute war Einkaufen keine mehr oder minder anonyme Angelegenheit. Die Kundschaft wollte von freundlichem Verkaufspersonal bedient und bei Bedarf beraten werden. „Wir haben unsere Kunden - überwiegend waren es Frauen – gut gekannt und die uns auch“. Und Freundlichkeit war für uns eine Selbstverständlichkeit“, erinnerte man sich unisono.

Mit interessanten Infos aus der Konsum-Anfangsjahren wartete Waltraud Lorenz auf. Im Vorfeld des Treffens hatte sie von den Seniorinnen Margarete Lederer (87 Jahre), Rita Schwinger (86 Jahre) und Charlotte Stamminger (85 Jahre) z.B. erfahren, dass im Gründungsjahr 1946 und in den Folgejahren im Konsum zentnerweise Kohlen verkauft wurden, die beim Anwesen Holzmann gelagert wurden. Zentnerweise waren auch Kartoffeln zu haben. Das Kraut, das verkauft wurde, wurde von den Verkäuferinnen selbst gehobelt und mit den Füßen eingestampft.

Wie sich die Preise für Grundnahrungsmittel entwickelt haben, zeigte Waltraud Lorenz an den Beispielen Brot, Milch und Butter auf. 1946 kostete ein Kilogramm Brot 31 Pfennige, ein Liter Milch 75 Pfennige und ein halbes Pfund Butter 78 Pfennige. 1960 musste man für das Kilo Brot bereits 1,20 DM bezahlen, für den Liter Milch 1,25 DM und für das halbe Pfund Butter 1,96 DM. Den Verkäuferinnen wurde 1960 ein Stundenlohn von 7,22 DM bezahlt.

Interessantes aus der Konsum-Gründerzeit konnte auch Schnaittenbachs 2. Bürgermeister Uwe Bergmann beisteuern. Er erläuterte der Damenrunde die Geschichte der Konsumgenossenschaften: Sie seien überall in Europa im 19. Jahrhundert als ein Ergebnis der Industrialisierung entstanden. Arbeitskräfte entflohen der Not auf dem Lande, zogen in die Städte und fanden sich in engen und schlecht ausgestatteten Wohnungen und in Arbeitsverhältnissen wieder, in denen sie weitgehend rechtlos waren.

Ihren Bedarf an Lebensmitteln deckten sie bei Krämern. Diese zogen die Menschen aber buchstäblich über den Tisch durch ungenaues Wiegen und den Verkauf minderwertiger Waren. Noch dazu nahmen die Arbeiter mangels Zahlungsmitteln oft Kredite bei den Krämern auf und wurden so von diesen abhängig. Deshalb fanden sich schon früh Arbeiter und Handwerker zu Vereinen und Genossenschaften zusammen, um ihre Versorgungslage zu verbessern. Im Nationalsozialsozialismus wurden die Konsumgenossenschaften aufgelöst. Nach Kriegsende fanden sich überall die Konsumgenossenschafter zusammen und bemühten sich erneut, die Genossenschaften wieder zu gründen - so auch 1946 in Hirschau.

In diesen sollten möglichst viele Menschen mit gleichen Bedürfnissen zusammengebracht werden. Gesellschaftsziel sei nicht Gewinnmaximierung gewesen, sondern ein Nutzen für die Genossenschaftsmitglieder beim Einkauf preiswerter Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs. Außerdem bot der Konsum vor allem Frauen in der damaligen Zeit gute Arbeitsplätze zu fairen Bedingungen und guter Bezahlung, praktisch eine Win-Win-Situation. Im Vergleich zu manch heutigen Discountern sei dies eine Wunschvorstellung. Auch in anderen Bereichen sollte heutzutage wieder vermehrt auf Genossenschaften gesetzt werden, z.B. beim Wohnungsbau, schlug Bergmann die Brücke zur heutigen Zeit.

Wie bei den vorausgehenden Zusammenkünften ging den Konsumdamen der Gesprächsstoff nicht aus. Am Ende war man sich wieder einig – 2019 gibt es eine Fortsetzung.
Bilder:

Foto(s): Werner Schulz

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